Endkampf um Ostpreußen

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Die Panzerabwehrschlacht südlich Gumbinnen

von Oberstleutnant a. D. W. Salomon

Die Panzerabwehrschlacht war für den Kreis und die Stadt Gumbinnen von höchster Bedeutung. Sie vereitelte den Plan der Russen, durch einen Umgehungsvor­stoß über Nemmersdorf—Branden (Ischdaggen) nach Mallwen (Mallwischken, Kr. Pillkallen), Gumbinnen einzukesseln. Ein geglückter Vorstoß hätte viele Gumbinner Landsleute in die russische Gefangenschaft gebracht.

Schlacht von Gumbinnen

Schlacht von Gumbinnen (Photo credit: Wikipedia)

Lagekarte

Wie ernst die Lage war, geht daraus hervor, daß am 21. Oktober 1944 drei russische Panzer schon über die Bahnstrecke bei Bergenbrück (Sabadszuhnen) in Richtung Zweilinden (Stannaitschen) vorgestoßen waren. Der russische Führungs­panzer fuhr sich in dem sumpfigen Wiesengelände fest. Die Besatzung stieg aus und sprengte ihn. Den zweiten erwischte unsere Pak auf den Bahnschienen, der dritte bekam 100 m weiter einen Volltreffer.

Die Ruhepause bei Rastenburg war eine stille Vorbereitung für weitere Kämpfe. Es dauerte auch nicht lange, und es kam der Fernruf: Kommandeur zur Division. Dort wurde mir mitgeteilt, daß die Abteilung noch in dieser Nacht durch Transport-Batterien nach Gumbinnen geführt wird, weitere Befehle erhalte ich beim Regiment, …, ostwärts Trakehnen.

Auf dem Gefechtsstand wurde der Marschbefehl ausgegeben, die Reihenfolge der schweren Batterien — die leichten verblieben im Einsatz

Gumbinnen Operation

Gumbinnen Operation (Photo credit: Wikipedia)

Rastenburg — und der Treff­punkt am Südeingang von Gumbinnen befohlen, und ab ging es im Kübel über An­gerburg—Goldap—Tollmingen (Tollmingkehmen, Kr. Goldap). Je mehr wir uns der Grenze näherten, um so mehr trafen wir auf Flüchtlingstrecks. Schnell fing es an zu dunkeln, und sofort begannen die sowjetischen „Krähen” ihre unheimliche Arbeit. Im Osten war der Himmel durch Feuersbrünste erhellt, brennende Dörfer jenseits der Grenze. Wie lange noch und es sind unsere ostpreußischen Dörfer. Unheilschwan­ger die klare Herbstnacht. Und dazwischen das Brummen der Krähen und die Deto­nationen der abgeworfenen Bomben. Einmal wird eine Leuchtbombe direkt vor uns gesetzt, und es bleibt uns nichts übrig, als anzuhalten. Minuten werden da zu Ewig­keiten. Endlich erreichen wir den Regimentsstab. Der Kommandeur ist unterwegs, aber von dem Adjutanten erfahre ich, daß das Regiment nur für den Fronteinsatz zuständig ist. Der Einsatz Gumbinnen unterstehe dem Regiment in Insterburg. Also los nach Gumbinnen, die Batterien müssen ja bereits rollen, und wir dürfen nur mit Blendkappen fahren, um unsere eigene Truppe nicht zu gefährden. Hier, wie im späteren Einsatz, kommt mir zugute, daß ich meine Heimat viel durchwandert und durchfahren hatte. Von Gumbinnen bekomme ich fernmündlich das Regiment in Insterburg, und der Einsatzbefehl lautet kurz und bündig: Luftschutz Gumbinnen. Die Gegend ist mir bekannt, und ich weise schnell meine drei Begleiter im Gelände ein, damit sie die Batterien in ihre Stellungen führen können.

Hinter einer Flak 88 im Erdeinsatz

Zwei schwere Batterien zu je 6 Geschützen kommen nordostwärts von Gumbinnen bei Gut Riedhof (Narp-gallen) zum Einsatz, eine Batterie nördlich der Stadt bei Gut Blumberg und die erste Batterie südlich der Stadt zwischen Gut Wolfseck und Kailen. Hart südlich der Stadt­grenze finde ich zwei leerstehende Holzbaracken (anscheinend eine frühere Flak­stellung), in die ich mit meinem Gefechtsstab hineingehen werde, während der Troß auf Gut Blumberg einquartiert wird.

Gumbinnen scheint zum Teil von der Zivilbevölkerung bereits geräumt zu sein (wir haben den 18. Oktober 1944). Am Bahnhof, in der zum Bahnhof führenden Straße und in der Ausfallstraße nach Ebenrocu (Stallupönen) brennen noch einige Hausruinen. Sie ist etwas unheimlich, diese stark beschädigte Stadt, die mir sonst aus frohen Tagen so gut bekannt ist. Dann fahren wir zu dem verabredeten Treffpunkt, einem Chausseewärterhäuschen, und da noch keine Batterie eingetroffen ist, wird schnell das Verdeck hochgemacht, die Seitenfenster eingesetzt, da wir stark über­müdet sind und uns fröstelt. Ein starkes Klopfen an unsere Fenster weckt uns aus tiefem Schlaf: die erste Batterie ist da, und es beginnt im Osten hell zu werden. Ohne Zeitverlust werden die Batterien in die vorgesehenen Stellungen geführt, die Kano­niere, die auf dem Marsch haben schlafen können, beginnen den Ausbau der Stellung, die Fernsprecher verlegen die Leitungen, der Funktrupp nimmt die Verbindung mit der 18. Flakdivision auf, und gegen 9 Uhr am 18. Oktober 1944 kann ich dem Regiment über Ortskommandantur Gumbinnen die Feuerbereitschaft der 4 schweren Batterien und die Entlassung der Transport-Kolonne melden. Es läuft alles pro­grammäßig, wie wir es ja schon so oft haben machen müssen; und ich bin viel unter­wegs zu den Batterien, hierbei in alter Gewohnheit das Gelände gründlich studierend, das mir im schönsten Herbstwetter, ach so vertraut, entgegengrüßt.

Am 20. Oktober gegen Mittag — ich bin wieder bei den Batterien — überbringt mir ein Kradmelder einen dringenden Befehl des Regiments: Sowjetische Kräfte sind durchgebrochen, haben die Rominter Forst besetzt und stoßen weiter nach Westen und Nordwesten vor. Etwa 30 feindliche Panzer befinden sich bereits in dem Brödlauker Forst, etwa 15 km südlich Gumbinnen. Am Südrand Gumbinnen sofort Panzerriegel aufbauen!

Hier hieß es handeln: zunächst brauchten wir Fahrzeuge, denn wir waren eine V-Abteilung, die durch Transport-Batterien verlegt wurde. Dann mußten die Kampf­trupps aufgestellt und die Stellungen befohlen werden, und schließlich mußten wir versuchen, noch zusätzlich Panzermunition zu bekommen. Ein Muni-Lager befand sich im Nordteil der Karlswalder Forst, in der bereits die feindlichen Panzer sein sollten. Vielleicht glückte noch ein Husarenstreich: Unter Befehl von Oberleutnant M. wurden die beiden Lkw der Abteilung in Marsch gesetzt, und ich möchte gleich vorwegnehmen, daß beide mit Munition zurückkamen ohne Feindberührung. Woher Fahrzeuge zum Transport der schweren Geschütze in die Kampftruppstellungen neh­men?

Die Ortskommandantur konnte mir keine zur Verfügung stellen; aber auf meine dringenden Vorstellungen gab man mir einen schriftlichen Befehl, mit dem ich durchfahrende Kraftfahrzeuge für eine einmalige Fahrt beschlagnahmen konnte. Mit diesem Befehl stellte ich einen Leutnant auf die Straße, der die zusagenden Fahrzeuge beschlagnahmte und zu den betreffenden Batterien führen ließ.

Da zu jedem Kampf­trupp mindestens 2 Geschütze 2 cm gehören, ich die im Luftschutz verbleibenden schweren Batterien aber von dieser Verteidigungswaffe gegen Tiefflieger nicht ent­blößen konnte, wurde mir die leichte Flakabteüung 833 unterstellt, und ich halte es für meine Pflicht, ganz besonders zu betonen, daß sich jeder Mann dieser Abteilung im folgenden Kampf genauso tapfer schlug, wie meine eigenen Leute.

Mein Einsatzbefehl war inzwischen auch bereits fertig und aufgebaut auf die im Erdkampf gemachten Erfahrungen. Diese hatten mir verschiedentlich gezeigt, daß der russische Soldat durch seine größere Naturverbundenheit und seine primitivere Lebensführung unseren tapferen Landsern in jedem Wald- und Straßenkampf über­legen war. Also fort vom Südrand der Stadt, hinaus ins freie Gelände, und hier schuf mir die Feuerstellung der 1. Batterie unter ihrem Oberleutnant H. die Grund­lage. Mein Einsatzbefehl lautete:

Flakkampftrupp I: Führer Ltn. Le., 2 Geschütze 8,8 cm der 2. Batterie und 2 Geschütze 2 cm der 3/833, etwa 1 km südlich Südausgang Ohldorf, zwischen Rominte und der Rollbahn.

2 cm Geschütze auf Selbstfahrlafette

Flakkampftrupp II: Führer Oberltn. Gl., 2 Geschütze 8,8 cm der 3. Batterie und 2 Geschütze 2 cm der 3/833, in der Straßengabel etwa 1 km südlich Südausgang Ohldorf.

Flakkampftrupp III: Führer Oberltn. H., 4 Geschütze 8,8 cm der 1. Batterie mit eigenem leichten Flakzug in der Luftschutzstellung etwa 500 m südlich Neuhufen (Naujeningken).

Flakkampftrupp IV: Führer Ltn. La., 2 Geschütze 8,8 cm der 1. Batterie und 2 Geschütze 2 cm der 3/833, etwa 750 m südsüdwestlich Gut Wolfseck (Wilkoschen).

Flakkampftrupp V: Führer Oberltn. K., 2 Geschütze 8,8 cm der 4. Batterie und 2 Geschütze 2 cm der 3/833, auf Höhe 63 etwa 500 m nordostwärts Wegegabel Eggenhof (Kuttkuhnen).

In dieser Aufstellung hatten alle Kampftrupps ein gutes Schußfeld nach Süden, und sie konnten sich flankierend im Kampfe unterstützen.

Am 21. Oktober traten die Sowjets aus Richtung Richtfelde (Gerwischken) und Plickener Berge auf Eggenhof (Kuttkuhnen) an. Anscheinend war ihnen das Über­schreiten der Angerapp mit ihren z. T. recht steilen Hängen zu riskant, und man ver­suchte am Südrand von Gumbinnen vorbei auf die Rollbahn Gumbinnen—Insterburg zu stoßen. Meine Geschützbedienung, die erst in der Nacht, ja z. T. erst im Morgen­grauen in ihre Stellungen gekommen war, buddelte im Schweiße ihres Angesichts, sie wußte recht gut, daß uns wieder einmal schwere Kämpfe bevorstanden und hier­bei jeder Zentimeter, den man tiefer in der Erde drin, von großem Vorteil ist. Es war kurz nach 10.30 Uhr, als von den Meldern des Kampftrupps V der Ruf ertönte: Feindliche Panzer mit auf gesessener Infanterie!

Ein erregender Anblick, wie sie so daherkamen: 3, 4, nein 6, 8 Panzer rollen in loser Marschordnung auf uns zu, fast als wenn sie im Manöver spazieren fahren. Unsere Infanterie hatten sie überrollt und aufgerieben, nun also vorwärts auf Königsberg zu, es ist kaum noch mit einem Wider­stand zu rechnen! und bei uns: Ruhe, Ruhe bewahren; auf 1000 m herankommen las­sen, dann ist die rasante Flugbahn unserer Geschosse so niedrig, daß sie sich nicht über Panzerhöhe erhebt, also Fußpunkt angerichtet.

Jetzt mögen es bis zum vordersten Panzer etwa 900 m sein, also: „Feuer frei!” Der erste Schuß jagt hinaus und ist ein Treffer! Mit dunkler Rauchfahne brennt der Panzer, und dies Fanal ist der Beginn einer schweren Panzerabwehr-Schlacht südlich Gumbinnen. Bald haben die Panzer unseren Kampftrupp ausgemacht, und es entsteht ein Artillerie-Duell, bei dem noch weitere 3 Panzer in Flammen aufgehen. Feindliche Infanterie arbeitet sich von Sü­den heran und geht am Südrand von Eggenhof (Kuttkuhnen) an meinem Kampf­trupp V in nordwestlicher Richtung vorbei, überschreitet die Straße Gumbinnen— Nemmersdorf und auch die Bahnlinie.

Plötzlich erhält der Kampftrupp starkes Feuer aus einem westlich der Stellung zwischen Chaussee und Eisenbahn gelegenen Waldstück. Wohl können die 2-cm-Geschütze die Scharfschützen von den Bäumen herunterholen, aber die feindliche Infanterie arbeitet sich unter dem Schutz ihrer Panzer, Pak und Granatwerfer immer näher heran. Ein Kampftrupp ohne eigene Infanterie war aber nie zu halten; eigene Infanterie konnte ich aber weder von den in Gumbinnen für einen Gegennstoß ostwärts der Rominte ausladenden Divisionen, noch von der Ortskommandantur Gumbinnen erhalten. Was aber tun? Infanterie mußte herbei, wenn der zunächst angegriffene Kampftrupp V gehalten werden sollte. Und so zog ich alle verfügbaren Soldaten des Stabes und der Batterien der 802 und der 833 — bis auf die Fernsprecher — zusammen, und mit sämtlichen MG’s und Handfeuerwaffen wurden sie unter Oberleutnant M., der hierbei den Heldentod fand, dem Kampftrupp V als Infanteriedeckung beigegeben.

Es ist ja bekannt, daß man beim Troß nicht gerade die schneidigsten Soldaten verwendet; was diese Schrei­ber, Kraftfahrer, Köche usw. leisteten, ist aber ein kleines Heldenepos für sich. Kein einziger versagte, selbst nicht im Nahkampf, als schließlich die Sowjets mit ihrem langgezogenen „Urräh” glaubten, den Kampftrupp überrennen zu können.

Gleichzeitig mit der Umgehung nach Nordwesten entstand die Gefahr, daß der Gegner an uns vorbei nach Gumbinnen hineingelangte. Von dem Flakführer beim Panzerkorps Hermann Göring, das ostwärts der Rominte lag, ließ ich mir die 1. Bat­terie Flakregiment 29 unterstellen, die ich etwa 1 km ostwärts Türen (Thuren) zum Einsatz brachte, und gleichzeitig setzte ich 2 Züge 2 cm der 2. Batterie-Abteilung 833 am Südrand des Waldstücks Fichtenwalde (Sodeiken) ein, um auf jeden Fall ein Ein­sickern feindlicher Infanterie an dieser Stelle zu verhindern. Als ich wieder einmal im Chausseegraben vom Kampftrupp V zurückkroch — die Chaussee lag von Westen her unter feindlichem MG-Beschuß — traf ich auf Major K., Kommandeur der I. Abteilung Flak-Regiment 5, der mit seiner Abteilung durch die 18. Flakdivision zu meiner Unterstützung herangeführt worden war. Sofort konnte ich ihn in die Lage und im Gelände einweisen, und er schloß mit seinen Batterien westlich an die 1/29 an, über Bernen (Sodeiken)—Angereck (Kampischkehmen) bis zur Angerapp. Ein Umgehen meiner Kampftrupps im Westen war dadurch unmöglich gemacht worden.

Nun versuchte der Gegner, ostwärts Kampftrupp V auf Gumbinnen durchzustoßen, geriet hierbei aber auf Kampftrupp IV und III. Bei diesem Versuch des Gegners wurden weitere 9 Panzer, darunter 5 T 34 mit überschweren Stalin-Panzer, vernichtet und 5 schwer beschädigt, nebst Div.-Paks, MG und anderem Kleingerät. Von der zersprengten 2. Komp. Fallschirm-Jäger-Regt. 16 hatten sich etwa 60 Mann unter ihrem Komp.-Führer Ltn. von M. beim Kampftrupp III und etwa 20 Mann bei Kampftrupp IV eingefunden und eingegraben. Und bei diesem gemeinsamen Abwehrkampf um deutsche Heimaterde entstand im Angesicht des Todes eine Kame­radschaft, die wohl nur dem deutschen Soldaten eigen ist.

The Real BlazeDie Panzerschlacht südlich Gumbinnen

(Fortsetzung)

Der Gegner, durch die starken Verluste vorsichtiger geworden, versuchte nun, die Kampftruppe durch schweren Beschuß auszuschalten. Panzer, Pak, Minenwerfer wur­den eingesetzt; Stalin-Orgeln begannen ihr furchtbares Konzert, und Tiefflieger mit Bomben und Bordwaffenbeschuß versuchten, die Kampfkraft der tapferen Verteidiger zu zerschlagen. Ein Geschütz 8,8 cm und ein Geschütz 2 cm waren beim Kampftrupp V durch Volltreffer bereits ausgefallen, 2 Geschütze 2 cm wurden in den Kampf neu hineingeworfen. Es gab weitere Verluste durch gutliegenden Minenwerferbeschuß und im Nahkampf. Die feindliche Infanterie griff den Kampftrupp jetzt bereits von drei Seiten an, und da das Zuführen eines schweren Geschützes zum Kampftrupp V unmöglich war, mußte ich den Entschluß fassen, diesen in der kommenden Nacht zurückzuziehen. So gab ich Ltn. K. den Befehl, mit 4 Geschützen 8,8 cm und 2 Geschützen 2 cm der 3. Batterie beiderseits der Bahnlinie in Höhe der von Gut Wolfseck (Wil-koschen) zur Chaussee führenden Tannen-Allee am Nachmittag des 21. bzw. nachts in Stellung zu gehen, und dem Oberltn. K., sich mit dem Kampftrupp V von Höhe 63 in kommender Nacht abzusetzen, um mit dem brauchbaren Geschütz 8,8 cm und den brauchbaren Geschützen 2 cm an der Tannen-Allee neue Stellung zu beziehen.

Er sollte von dort aus dem nun vor ihm liegenden Kampftrupp V Feuerschutz geben. Die Nacht bricht herein mit ihrer nervenaufpeitschenden Stille. Was hat der Gegner vor? Wird er nachts angreifen? Plötzliche Feuerüberfälle der Sowjets auf unsere Stellungen, die ihm ja nun gut bekannt sind, und um so unheimlicher die dann darauf folgende Stille, in der man glaubt, das eigene Herz schlagen zu hören. Beim Gegner Geräusch von Raupenketten; will er doch zum Nachtangriff antreten?

Eine Leucht­kugel steigt hoch, und man kann erkennen, daß der Gegner dabei ist, aus ziemlicher Nähe der Kampftruppstellung einen beschädigten Panzer abzuschleppen. Ein Be­schuß dieser Arbeit wäre nur Munitionsverschwendung und würde von drüben mit einem heftigen Feuerüberfall beantwortet werden. Also lassen wir den Panje ruhig arbeiten.

Die Kampftruppstellung auf Höhe 63 ist geräumt; Verwundete und Tote, Ge­schütze und Munition, alles ist zurückgebracht, und nur Oberleutnant K. hält mit unseren Flakartilleristen als Infanterie und MG-Trupps die Stellung besetzt, um den Stellungswechsel zu sichern. Der Kampftrupp Ltn. K. wird beim Instellunggehen von einer Stalinorgel überrascht und hat dabei schon die ersten Verluste. Bei Flakkampf­trupp I und II waren vom Gegner starke Infanterieangriffe am 21. Oktober vorgetragen worden. Die Bekämpfung dieser vorstürmenden Massen, die hauptsächlich durch Minenwerfer und Schlachtflieger unterstützt wurden, durch hochgezogene Sprengpunkte der 8,8-cm-Geschütze hatte eine furchtbare Wirkung und zwang die So­wjets immer wieder zu fluchtartigem Rückzuge. Es wurde hierbei zahlreiches Klein­material vernichtet.

Der Morgen des 22. Oktober brachte uns starken Nebel, und während er nachts unseren Stellungswechsel unterstützt hatte, war er jetzt der Verbündete des Gegners geworden. Bei Kampftrupp III konnte man nur an den Geräuschen feststellen, daß man von drei Seiten eingeschlossen war. Das Rasseln der Panzerketten kam immer näher und ebenso die Feuerüberfälle der feindlichen Infanterie und der Pak. Ein Ge­schütz 8,8 cm wurde zerschossen, und bald darauf fiel auch ein 2-cm-Geschütz aus. Nun wurde eben auf die Geräusche in den Nebel hineingeschossen, da die feindliche Infanterie nur noch höchstens 30—40 m entfernt sein konnte. In einer kurzen Ge­fechtspause gab ich Ltn. La. den Befehl, sich nach Norden abzusetzen, der einzigen Gegend, aus der noch keine Feindgeräusche kamen. Er selbst wollte wohl das einzige einsatzfähige 8,8-cm-Geschütz (auch das zweite 2-cm-Geschütz war inzwischen aus­gefallen) sprengen, und beim Aufrichten, um die Sprengladung abzuziehen, muß ihn eine MPi-Garbe aus nächster Nähe in die Brust getroffen haben.

Am nächsten Mor­gen stieß ich vor, da er der einzige war, der sich von dem Kampftrupp nicht nach rückwärts durchgeschlagen hatte, und ich fand ihn über dem Holm des Geschützes liegend, die Sprengladung im Verschluß der Kanone unabgezogen.

Der Hauptangriff des Gegners richtete sich am 22. Oktober mit stärkster Panzer-Unterstützung gegen den Kampftrupp III unter Oberltn. H., während Kampftrupp I und II wiederum schwere Infanterieangriffe niederzukämpfen hatten und gegen die 1/29 und die 1/5 Infanterie mit einzelnen Panzern vorging. Als sich gegen 8 Uhr der Nebel hob, griff der Russe aus nächster Nähe den Kampftrupp III mit Infanterie an, während gleichzeitig 10 Panzer heranrollten. Es dauerte keine halbe Stunde, und 9 Panzer, mehrere Paks, Panzerspähwagen und sogar Lkw’s mit aufgesessener Infanterie waren vernichtet.

Nun begann ein Trommelfeuer auf diese Kampftruppenstellung. Panzer und Pak, aber vor allen Dingen Minenwerfer und Stalinorgeln schienen die Erde auseinanderbersten zu lassen. Dazwischen ein ununterbrochener Bombensegen und Bordwaffenbeschuß zahlreicher I L 2. Die Verluste wurden immer größer, Deckungslöcher zwecklos, ein Weltuntergang kann gar nicht schlimmer sein. Und als dann nach 13 Uhr ein T 34 heranrollte, um sich von der Vernichtung des Kampftrupps zu überzeugen, wurde er durch einen 8,8-cm-Treffer restlos zerfetzt. Nun erfolgte kein Panzerangriff mehr, jedoch ging den ganzen Tag über der ununterbrochene Beschuß von der Erde und aus der Luft weiter.

Die letzten Kräfte werden zum Schutz des Reiches mobilisiert: Die Hitlerjugend rollt mit je zwei Panzerfäusten bestückt per Fahrrad zur Front

Gleichfalls schwere Kämpfe mit feindlichen Panzern hatte der neueingesetzte Kampftrupp Ltn. K. zu bestehen. Obwohl es ihm gelang, mehrere Panzer zu ver­nichten, wurden auch ihm 2 Geschütze 8,8 cm durch Volltreffer zerschossen, wobei leider auch schwere personelle Verluste eintraten. Inzwischen waren die Ausladungen für einen deutschen Gegenstoß, der am 23. Oktober 6 Uhr ostwärts der Rominte er­folgen sollte, beendet und auch eine neue Hauptkampflinie von Türen (Thuren) nach Ohldorf (Kulligkehmen) aufgebaut worden. So gab ich für die kommende Nacht den Befehl zum Stellungswechsel hinter diese HKL., und zwar sollte Kampftrupp III etwa 750 m südlich Bahnhof Gumbinnen in Stellung gehen, der Rest des Kampf­trupps V in seine Luftschutzstellung und der neu eingesetzte Kampftrupp Ltn. K. mit den restlichen zwei Geschützen 8,8 und seinen beiden Geschützen 2 cm bei dem Chaus­see- und Eisenbahnschnittpunkt, etwa 1 Yi km südwestlich Bahnhof Gumbinnen. Bei heftigem Feindbeschuß wurden die gefallenen Kameraden beerdigt, die Verwundeten zurückgeschafft, sämtliche Geschütze und Handfeuerwaffen zurückgeführt, und als der Laderaum für die Munition nicht ausreichte, nahm jeder Flaksoldat und jeder Panzergrenadier ein schweres Flakgeschoß zusätzlich auf die Schulter.

Als Verbindung von Kampftrupp II zu der neuen Stellung III setzte ich von Sü­den nach Nordwesten eine 3,7-cm-Batterie der Abt. 833 ein, um evtl. nachfolgende -Panzer aus der Flanke beschießen zu können. Gegen 1 Uhr nachts waren die Stel­lungswechsel vollzogen, und ausgehungert — es hatte seit zwei Tagen keine warme Verpflegung gegeben, da ja alles vorne im Einsatz war — und übermüdet fielen die Leute hin, wo sie gerade standen. Die nervenaufreibenden Tage und Nächte hatten das ihrige dazu getan.

Um 4 Uhr weckte ich die abgekämpfte Truppe, und es begann wieder ein eifriges Buddeln. Auch der Morgen des 23. Oktobers brachte uns einen der­art starken Nebel, daß man kaum die Hand vor Augen sehen konnte. Immer wieder horchte ich nach Süden und nach Südosten. Nach Süden in der Erwartung des nach­stoßenden Feindes, nach Südosten in Erwartung unseres Gegenstoßes ostwärts der Rominte. Erst gegen 8 Uhr tönte Kampfgeräusch aus südostwärtiger Richtung. Nun stieß ich zum Kampftrupp IV vor und fand den Gegner in vollem Rückzug. Dann also die Batterien wieder vorverlegen, jedoch in neue Stellungen und zur Sicherung dieses bedrohten Abschnitts gleich zwei schwere Batterien im Süden der Stadt. Auch für den Gefechtsstand mußte ich mich nach einer neuen Unterkunft umsehen, da die Holzbaracken durch den Beschuß der Tiefflieger und durchgesickerte Panzer un­brauchbar geworden waren.

Aber es sollte noch nicht genug der Blutopfer gezollt sein. Unterwegs überbringt mir ein Kradmelder den Funkspruch, daß der „Kommandierende” General O. gegen 9 Uhr bei mir eintrifft und sofort zu den Batterien will.

Während wir nach Süden fahren, kommen uns Staffeln feindlicher Maschinen entgegengeflogen, Staffel auf Staffel in wunderbar ausgerichteter Keillinie. Und meine Batterien sind noch nicht feuerbereit. Die wenigen, in ihren alten Stellungen verbliebenen Geschütze schießen Schnellfeuer, doch kann dieses diese Masse an Maschinen nicht zum Abdrehen zwingen. Auch kann ich kein Feuer leiten, da ja alle Leitungen zerschossen sind, obwohl die Fernsprecher Tag und Nacht gearbeitet haben. Wir hören die Bomben rauschen, die Sowjets legen Bombenteppiche auf Gumbinnen, als sollte die Stadt dafür bestraft werden, daß die Flak die feindlichen Panzer an ihrem Durchstoß auf Insterburg— Königsberg verhindert hatte.

In der Feuerstellung der 1. Batterie eine kurze lobende Ansprache des Kommandierenden und eine persönliche Auszeichnung der Anwesen­den aus der von mir aufgestellten Vorschlagsliste. Und als wir dann wieder zum Gefechtsstand fahren, erwartet uns dort die traurige Nachricht, daß der Regiments-Kommandeur Oberst W., mein Ltn. und Adjutant H. und sein Kraftfahrer Uffz. J. in diesen Bombenhagel hineingekommen sind und einen schmerzlosen Heldentod er­litten hatten. Im Park des Gutes Blumberg betteten wir diese beiden Gefallenen der Abteilung, zusammen mit Oberltn. M. und einem Infanteristen zur letzten Ruhe.

So endete die Panzerabwehrschlacht südlich Gumbinnen. 66 feindliche Panzer, Panzer-Spähwagen und Pakgeschütze wurden in diesen Tagen von der gesamten Flak vernichtet, daneben zahlreiches Kleingerät. Und 34 Kameraden der späteren Flak­sturmabteilung 802 mußten ihr hoffnungsvolles Leben für Deutschland hingeben; zahlreiche Schwer- und Leichtverwundete hatte die Abteilung außerdem zu beklagen.

„Ergänzend zum Wehrmachtsbericht wird gemeldet: In den schweren Kämpfen im ostpreußischen Grenzgebiet hat sich die Flakabteilung 802 unter Führung von Oberstleutnant Salomon im Erdkampf hervorragend geschlagen.”

Saarlänner – Das letzte Aufgebot

Warum deutsche Soldaten 1945 bis zur letzten Patrone kämpften

von Friedrich-Carl Albrecht

Warum und wie kämpften die deutschen Soldaten 1945 bis zum bitteren Ende, bis zum letzten Tage, obwohl jeder von ihnen seit Monaten wußte, daß der Krieg verloren war. Als pars pro toto diene hier das Beispiel der 12. Armee, auch Armee Wenck genannt. Wie war die Lage um die Monatswende März/April 1945?

Die Amerikaner standen im Raum Frankfurt/Aschaffenburg. Die Engländer standen südlich vor Bremen. Die Rote Armee stand an der Oder vor Küstrin. Über die Begleiterscheinungen im Osten schreibt der Direktor des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes Freiburg/Potsdam, Joachim Hoffmann:

“Das Eindringen der Roten Armee in Ostpreußen, Westpreußen und Danzig, in Pommern, Brandenburg und Schlesien war überall in gleicher Weise von Untaten begleitet, die in der neueren Kriegsgeschichte ihresgleichen suchen. Massenmorde an Kriegsgefangenen und Zivilpersonen jeden Alters und Geschlechts, Massenvergewaltigungen von Frau- en, selbst von Greisinnen und Kindern, unter ekelhaften Begleiterscheinungen, in vielfacher Weise, manchmal bis zum Tode hin, systematische Beraubung, Plünderung. Flüchtlingstrecks wurden von Panzern niedergewalzt oder zusammengeschossen. Männer, aber auch Frauen nach der Vergewaltigung durch herabspringende Tankisten und Infanteristen erschlagen und erstochen. Männer, die ihre Frauen und Töchter vor der Vergewaltigung zu schützen suchten, wurden erschossen.”

Vorhergegangen war die Verteilung von Flugblättern in der Roten Armee, in welchen Stalins Propaganda-Chef Ilja Ehrenburg forderte: “Soldaten der Roten Armee! Tötet! Tötet! Folgt der Weisung des Genossen Stalin! Brecht den Rassenstolz der deutschen Frau. Nehmt sie Euch!”

 

In dieser Zeit bekam General Walther Wenck den Auftrag, im Raum Magdeburg-Bernburg- Dessau eine neue Armee aufzustellen, die 12. Armee. Sein Chef des Stabes wurde Oberst i. G. Günter Reichhelm, der heute noch lebt. Diese Armee sollte eigentlich gegen die Amerikaner nach Westen hin eingesetzt werden. In der “FAZ” vom 15. April 1995 schrieb der Militärschriftsteller Adalbert Weinstein dazu: “Die Phantomarmee hat inzwischen Gestalt genommen. Vorarbeiten des OKW (Oberkommando der Wehrmacht) wirken sich aus. Aus den Gebieten Deutschlands, die noch nicht vom Feind besetzt sind, treffen Stäbe, Kommandobehörden und Kommandeure ein. Die meisten können nur unter ständigem Beschuß der feindlichen Jabos mit der Eisenbahn in ihre Aufstellungsräume gelangen. Andere marschieren zu Fuß bis zum Gestellungsort. Auch auf Lastkähnen kommen sie an. Doch es mangelt an allem. Den höheren Stäben fehlen Fachpersonal und Nachrichtenmittel. Funker und Fernsprecher werden gesucht. Für die Soldaten aber sind nur Handfeuerwaffen geliefert worden.

Tatsächlich werden aus den Kriegsschulen Tausende von Offiziersanwärtern, Fahnenjunker und Unteroffiziersschüler geschickt. Die Arbeitsdienstlager stellen Arbeitsdienstmänner ab. Die Wehrkreisämter verpflichten die jüngste Wehrdienstgeneration zur 12. Armee. Eine jugendliche Elite versammelt sich. Die Personalstruktur der Führungskräfte ist einmalig: hochdekorierte Offiziere, die Überlebenden aller Feldzüge, Unteroffiziere mit Ritterkreuz, Obergefreite mit goldenen Verwundetenabzeichen. Generäle, die jede Gefahr mit der Truppe geteilt haben, führen die Korps (die keine sind) und die Divisionen (die Kampfgruppen ähneln).”

Wie das auf unterer Ebene aussah, schildert der mehrmals schwer verwundete Hauptmann Hermann-Christian Thomasius, der den Auftrag erhielt, im Rahmen des Aufbaus dieser Armee ein Bataillon aufzustellen:

“Die Mannschaften hierfür wurden von RAD-Einheiten, die mit 2-cm-Flak-Geschützen ausgerüstet waren, gestellt. Außer der Geschütz-Ausbildung hatten diese Jungens im Alter von 16 bis 18 Jahren keine infanteristische Ausbildung erhalten. Für das Unteroffizierskorps standen RAD-Führer und Fahnenjunker-Unter- offiziere aus den um Berlin stationierten Schulen zur Verfügung. Als Offiziere wurden junge, einsatzbereite Leutnants für die Kompanieführung dem Bataillon zugeteilt. Somit hatte das Führerkorps des Bataillons rein militärisch ausgebildete Organe.”

General v. Tippelskirch schrieb nach dem Kriege, angesichts der außerordentlichen Überlegenheit der Alliierten sei das operative und materielle Gewicht der Armee zwar als “federleicht” in der Kriegsgeschichte einzustufen, doch ihre soldatische Leistung habe Anspruch auf “Unvergänglichkeit”.

Weinstein schrieb: “Nach der turbulenten Aufbauwoche bringt die zweite bereits Kämpfe. In lebhaften Begegnungsgefechten trotzen die jungen Truppen den sieggewohnten amerikanischen und britischen Divisionen. Verblüfft stoßen diese zum ersten Mal wieder auf erbitterten deutschen Widerstand. Hinter Mulde und Elbe wird von Wenck eine Abwehrlinie bezogen. Sie dehnt sich von Wittenberge bis Wittenberg, über 120 Kilometer.”

Dann aber blieben die Amerikaner an der Elbe, welche die Demarkationslinie zu den Russen bilden sollte, stehen. Und nun wurde die 12. Armee durch den Großangriff der Russen, der auf Berlin zielte, in eine neue Lage gebracht. In seinem Buch “Deutschlands Generale des Zweiten Weltkriegs” schreibt Generalmajor Friedrich Wilhelm v. Mellenthin:

“General Wenck mußte mit einem Durchbruch der Russen nach Berlin rechnen. Damit war die 12. Armee im Rücken bedroht. Wenck entschloß sich schnell, an der Elbe nur schwache Sicherungen zu belassen und alle verfügbaren Kräfte auch aus Leipzig und Halle nordostwärts und ostwärts von Magdeburg zu versammeln, um zunächst eine Sicherungslinie gegenüber dem russischen Feind aufzubauen. Diese Bewegungen liefen bereits am 17. April an. Am 21. April rollten die ersten russischen Panzer, von Infanterie gefolgt, gegen die Sicherungen der 12. Armee ostwärts Belzig und wurden abgewiesen. Hitler befahl nun, daß die 9. Armee kehrtmachen sollte, um sich südlich Berlins mit der Armee Wenck zu vereinigen.”

Oberbefehlshaber der 9. Armee war General der Infanterie Busse, der vorher Chef des Generalstabs der Heeresgruppe Süd unter Manstein war.

Ganz Berlin hoffte natürlich auf die Rettung durch die Wunderarmee Wenck. Am 29. April, also einen Tag vor seinem Tod, gab Hitler seinen letzten Funkspruch an Jodl heraus: “Wo ist Wenck? Wann tritt er an?”

Mellenthin schreibt weiter: “Bis zum 28. April hatte Wenck seine Flanken im Süden bis Wittenberg und im Norden südostwärts Brandenburg so weit gesichert, daß er mit drei Divisionen aus dem Raum Belzig zum Angriff in nordostwärtiger Richtung antreten konnte. (Anmerkung des Autors: Hieran beteiligt war auch das Bataillon Thomasius, welches übrigens der Division direkt unterstand.) Es spricht für das Vertrauensverhältnis zwischen General Wenck und seinen jungen Soldaten – dem letzten Aufgebot nach fast sechs Jahren Krieg – , daß dieser Angriff in den letzten Tages des Krieges mit vorbildlichem Schwung vorgetragen, den Widerstand der Russen brach. Es gelang, in Beelitz 3.000 Verwundete zu befreien, deren Abtransport nach Westen sofort eingeleitet wurde. Mit dem linken Flügel der Angriffsgruppe wurde Ferch erreicht, über das sich die eingeschlossene Besatzung von Potsdam in die deutschen Linien rettete. Mit diesem geglückten Angriff war die Stoßkraft der 12. Armee erschöpft. Wenck war sich im klaren, daß eine Befreiung Berlins mit seinen schwachen Divisionen ohne Panzer und mit nur geringer Artillerie ein aussichtsloses Unternehmen war.

Noch aber durfte nicht an einen Rückzug gedacht werden, bevor nicht die Reste der 9. Armee den letzten Durchbruch durch die feindlichen Reihen durchgeführt hatten. Dank dem Aushalten der jungen Soldaten unter Wenck in bedrohlicher Lage, in der sie selbst jederzeit eingeschlossen werden konnten, strömten etwa 30.000 Mann durch die geschlagene Bresche und waren gerettet.”

Weinstein (siehe oben) schilderte das so:

“General Busse führt seine ausgepumpte Restarmee über Beelitz an den offensiv operierenden Ostflügel der 12. Armee heran. Wenck, immer noch im Gipsverband, fährt auf dem Motorrad von Brennpunkt zu Brennpunkt. In einem Schlauch zusammengedrückt, marschieren nun 40.000 Mann, die Letzten der 9. Armee, und Zehntausende Flüchtlinge auf die 12. Armee zu. General Busse, zum Skelett abgemagert, überwacht den Ausbruchskorridor. Ein Tiger-Panzer hält die Bresche offen, die in die feindliche Angriffsfront geschlagen wurde. Der deutsche Kampfwagen ist der einzige übriggebliebene seines Typs. Er schießt ein Dutzend russischer Panzer ab und hält aus, bis die Flüchtlingstrecks durch sind. Der Kampfgeist der Truppe, die Zähigkeit der Flüchtlinge haben entscheidenden Anteil an dem erfolgreichen Zusammenschluß gehabt. Doch sie verdanken ihre Freiheit vor allem der Führungskunst der Generale Wenck und Busse.”

Wie das Ganze auf Bataillonsebene aussah, berichtet Hauptmann Thomasius:

“Der Angriff begann. Nach etwa 1.000 Meter waren bereits zwei von drei Sturmgeschützen abgeschossen. Der Russe saß mit seinen Panzern – eingegraben am Dorfrand – fest auf der anzugreifenden Höhe. Der Angriff konnte nicht fortgesetzt werden. Der Befehl lautete: Eingraben! Während der Nacht hörte man aus dem vorgelagerten Dorf Schreie – Schüsse – Grölen. In den ersten Tagesstunden, noch in der Dämmerung tauchten Gestalten vor unserer Linie auf, die ständig um Hilfe und “nicht schießen” riefen. Die vorderen Kompanien blieben gefechtsbereit und warteten das Näherkommen der Gestalten ab. Es waren etwa 30 junge Mädchen, die sich aus dem RAD-Lager, das sich in dem russisch besetzten Dorf befand, hilfesuchend zu uns “Jägern” durchschlagen konnten. Ihr Anblick war erschütternd: Kaum noch bekleidet, zerrissene Röcke, blutend im Gesicht, an den Beinen und am Körper. Die Mädchen weinten vor Erschöpfung. Sie waren alle von der russischen Soldateska vergewaltigt worden – den Berichten zufolge bis zu zwanzigmal. Derartig zugerichtete junge Frauen hatte bisher noch keiner der jungen Soldaten des Jägerbataillons erlebt. Die Mädel wurden in aller Eile vom Bataillon aufgenommen. Der Bataillonsarzt übernahm die sofortige Rückführung dieser zerschundenen jungen Frauen zum Hauptverbandsplatz und weiter zum Feldlazarett.”

Weinstein schreibt:

“Die Armee Wenck leitet nun ihre Absetzbewegung auf die alte Elbefront ein. Rückzugsgefechte sind schwierige militärische Operationen. Die 12. Armee wird zum “wandernden Kessel”. Sie zieht sich beiderseits der Linie Beelitz-Brandenburg-Tangermünde in westlicher Richtung zurück. Die aufgenommenen Truppen von Reimann und Busse sind eingegliedert. Von allen Seiten stoßen versprengte deutsche Einheiten hinzu. In seiner Mitte führt der Tag und Nacht marschierende Heerhaufen wie in den Zeiten der Völkerwanderung die Frauen und Kinder der Flüchtlingszüge mit. Verpflegung ist vorhanden. Die Wehrmachtslager sind noch nicht von den Russen ausgeraubt. Doch die Munition wird knapper. Und der Gegner versucht ständig, die Flanken der 12. Armee aufzureißen.

Wenck hatte den General v. Edelsheim beauftragt, mit den Amerikanern über eine Kapitulation zu verhandeln. Der Generalstabschef der 9. amerikanischen Armee ist bereit, alle deutschen Soldaten aufzunehmen. Ein Übersetzen der Flüchtlinge wird jedoch nicht gestattet. Als die Flüchtlinge von der amerikanischen Entscheidung erfahren, kommt es zu einer Panik. “Welch grausige Szenen sich am Elbufer unter den verzweifelten Flüchtlingen abspielten, muß verschwiegen werden”, schreibt General v. Edelsheim. Die Armee Wenck läßt sich jedoch nicht abhalten, Kähne, Fähren, Flöße für die Flüchtlinge heranzuholen. Zwar schießen die Amerikaner auf jedes Boot, wenn Zivilisten den Strom überqueren wollen. Die Rettung glückt dennoch. Die Russen, zornig, daß ihnen die Beute zu entgehen scheint, verstärken ihr Artilleriefeuer auf die nun im Halbkreis umfaßte 12. Armee. Russische Granaten explodieren dabei auch in amerikanischen Stellung westlich der Elbe. Die 9. amerikanische Armee räumt das Ufer. Mit der Geschwindigkeit eines Steppenbrandes verbreitet sich die Kunde, daß nun niemand mehr den Übergang blockiere. In Ordnung ziehen am 4. und 6. Mai an die 200.000 Flüchtlinge in den Westen.”

Mellenthin schreibt dazu:

“Das Übersetzen der Flüchtlinge geschah reibungslos, während die Kampftruppe, die nachstoßenden Russen immer wieder abwehrend, sich langsam absetzte. Der Lärm der Front rückte immer näher. Bis zum Abend dem 6. Mai gelang es überall, den Zusammenhalt an der Brückenkopffront zu wahren. Dann aber ging die Munition aus. Wenck befahl daher den Kommandanten der Elbübergänge den Übergang der nichtkämpfenden Truppe und der Flüchtlinge bis zum Morgen des 7. Mai zu beenden.

Mit den letzten deutschen Soldaten gingen am 7. Mai 1945 bei Ferchland auch General der Panzertruppen Wenck und sein Chef Oberst Reichhelm und einige Soldaten des Stabes in das letzte Boot.

Dieser letzte Kampf war nur möglich, weil die jungen, vier Wochen vorher noch kampfungewohnten Soldaten in soldatischer Pflichterfüllung bei hervorragender Moral und Disziplin ihren Mann standen.”

Primärquelle: Das Ostpreußenblatt

Saarlänner – © Das Ostpreußenblatt / Preußische Allgemeine Zeitung / Landsmannschaft Ostpreußen e.V. / 15. März 2003

Zeitzeuge und zugleich Historiker

Hans Jürgen Pantenius rekapituliert und analysiert die letzte Schlacht an der Ostfront

Es ist erstaunlich, daß immer noch Bücher erscheinen, die neue Erkenntnisse über militärische Ereignisse des Zweiten Weltkrieges vermitteln, glaubt man doch angesichts der Bücherflut, wir wüßten alles über die Vorgänge an den Fronten. Abgesehen davon, daß manche der vorliegenden Darstellungen die Vorgänge aus dem Blickwinkel der Sieger schildern und andere von zweifelhafter Qualität sind, gibt es tatsächlich noch weiße

Flecken in der Geschichtsschreibung, von denen einer jetzt durch das fulminante Werk eines Verfassers gefüllt wird, der in geradezu idealer Weise alle Voraussetzungen für eine ebenso sachlich erschöpfende wie engagierte Darstellung erfüllt. Es geht um die Ereignisse in den letzten Kriegsmonaten zwischen den Kämpfen um Warschau über Westpreußen bis zur Danziger Niederung. Der Autor, Hans Jürgen Pantenius, war nach seiner Teilnahme an den Feldzügen in Polen, Frankreich und der Sowjetunion Kommandeur des Volksgrenadierregimentes 690 im Rahmen der 337. Volksgrenadierdivision und hat am eigenen Leibe erlebt, was er jetzt wissenschaftlich zu erforschen und schildern unternahm. Dazu hatte er sich qualifiziert, nachdem er nach dem Ausscheiden aus dem Dienst des Bundesgrenzschutzes (letzter Dienstgrad Oberst) 1974 das Studium der Geschichte an der Münchener Universität absolvierte und es mit der Promotion zum Doktor phil. 1982 abschloß. So gehört er zu den wenigen Historikern, die auch Fachleute in allen Fragen des Militärs sind; er ist sowohl Zeuge vor Ort gewesen als auch der von der erhöhten Warte des Wissenschaftlers aus urteilende Historiker.

Pantenius, geboren 1914 in Kolberg, beginnt die Schilderung mit seiner Tätigkeit 1943 an der Infanterieschule Döberitz. Dort erlebt er den 20. Juli 1944 und kommt als Augenzeuge zu dem Schluß, daß der Umsturzversuch angesichts “eklatanter Fehler” der Verschwörer, deren schwerwiegendster die Führungsschwäche der Putschisten war, niemals hätte gelingen können. Zudem meint er, daß ein Gelingen des Umsturzes zum Bürgerkrieg in Deutschland geführt hätte.

Bewegt liest man, unter wie schwierigen Bedingungen sich die deutschen Truppen mit aller Kraft der roten Flut entgegenstemmten. Dabei fehlte nicht nur der Treibstoff für die Fahrzeuge, sondern immer wieder auch Verpflegung und Munition. Die Verluste waren hoch. Schwer wogen auch Führungsmängel und fehlende Nachrichtenverbindungen, die es unmöglich machten, die Lage zu überblicken. Bei Schwedt schließlich wurde die 337. Volksgrenadierdivision, zu der Pantenius’ Regiment gehörte, total zerschlagen. Die Reste wurden aus der Front gezogen. Bei Helderode erfolgte die Neuaufstellung. Anfang Februar 1945 verteidigte diese neue Division, verstärkt durch Versprengte, Marine-Einheiten und Lufwaffen-Feldbataillone, an der Weichsel das Land gegen die Rote Armee. Wie es um die Reste von Divisionen, ja der ganzen 2. Armee bestellt war, mag eine Aufstellung über die Kampfstärke der Divisionen belegen. Das extremste Beispiel: Die 4. Panzer-Division, deren Kommandeur, ein Träger des Ritterkreuzes mit Eichenlaub und Schwertern, gefallen war, hatte am 9. März 1945 noch eine Kampfstärke von 928 Mann.

Bis zur Kapitulation der Wehrmacht bemühten sich die angeschlagenen Einheiten, die Sowjets aufzuhalten, um den in und um Danzig/ Gotenhafen massierten eineinhalb Millionen Flüchtlingen und 100.000 Verwundeten den Abtransport über See zu ermöglich. Am 8. Mai gingen die Reste der 2. Armee, unter ihnen Pantenius’ Regiment, bei Schiewenhorst in sowjetische Gefangenschaft. Bemerkenswert: Damals bot der in Flensburg sein Amt ausübende Großadmiral Dönitz dem Oberbefehlshaber der Armee Ostpreußen, General Dietrich von Saucken, an, ihn aus Ostpreußen herauszufliegen.

Von Saucken weigerte sich und schickte das für ihn bestimmte Flugzeug, beladen mit Verwundeten, in den Westen. Er selbst blieb mit elf weiteren Generalen der Armee Ostpreußen bei den Soldaten, um mit ihnen in Gefangenschaft zu gehen. Nur sechs der Generale überlebten diese und kehrten nach mehr als zehn Jahren in die Heimat zurück.

Außerordentlich aufschlußreich ist das Schlußkapitel, in dem der Autor sich bemüht, die militärischen Lehren aus den Abwehrkämpfen zu ziehen. Er geht der Frage nach, welchen Sinn die letzten Kämpfe hatten, was unsere Soldaten motivierte, bis zuletzt auszuhalten, nach welchen Grundsätzen die sowjetische Führung vorging, wie die deutsche Führung beschaffen war, welche Erfahrungen die Infanterie aus den Kämpfen ziehen kann, wie sich die zunehmenden Belastungen auf die Soldaten auswirkten.

Das aufwendig mit vielen farbigen und schwarzweißen Karten sowie zahlreichen Abbildungen ausgestattete Buch ermöglicht sowohl den damals zwischen Warschau und Danzig eingesetzten Soldaten als auch allen Westpreußen einen genauen Überblick über die Ereignisse. Wissenschaftlich schließt es für die Geschichtsschreibung eine Lücke. Auch der heutige Soldat, der wieder im Kampf steht, wenn auch nicht zur Verteidigung seiner Heimat, wird das Buch mit Gewinn lesen. Der nicht niedrige Preis ist sowohl durch die Qualität des Textes als auch durch die vorbildliche Ausstattung vollauf gerechtfertigt. Hans-Joachim v. Leesen

Hans Jürgen Pantenius: “Letzte Schlacht an der Ostfront – Von Döberitz bis Danzig 1944/1945″, Verlag E. S. Mittler & Sohn, Hamburg 2002, zahlreiche Abb., geb., 48 Euro

Saarlänner – Der Fall von Tilsit

Zwei ihrer letzten Verteidiger berichten vom Verlust der Memel-Stadt an die Rote Armee

Primärquelle: Das Ostpreußenblatt, Preußische Allgemeine Zeitung

Tilsit 1940

Tilsit wurde im Oktober 1944 zur Frontstadt. Die Zivilbevölkerung mußte die Stadt verlassen. Das Militär übernahm das Kommando. Was geschah in den drei Monaten in Erwartung des sowjetischen Angriffs? Wie vollzog sich die Eroberung der Stadt durch die Sowjetarmee?

Deutscherseits gibt es weder in Militärarchiven noch in der Erinnerungsliteratur hinreichende Angaben. Dem steht eine Fülle russischsprachigen Materials gegenüber, in dem der “Sturm auf Tilsit” als heroisches Ereignis dargestellt wird. Es ist wenig brauchbar, historisch anfechtbar, widersprüchlich, sachlich oft nicht korrekt und beantwortet nicht die Frage, wie es wirklich war.

Kürzlich ist es nun gelungen, zwei Augenzeugen ausfindig zu machen, die als junge Soldaten zur Verteidigung Tilsits eingesetzt waren und als letzte Nachhut die Stadt verließen. Es handelt sich um Bruno Müller, heute wohnhaft in St. Wendel, und Horst Krause, wohnhaft in Eutin. Hans Dzieran befragte sie.

Wie war Tilsit auf die Verteidigung vorbereitet, und wann rückten Sie in die Verteidigungsstellung ein?

Bruno Müller: Im Oktober 1944 bezog unser Grenadier-Regiment 1115 eine Abwehrstellung, die sich von der Tilsiter Zellstoffabrik in westliche Richtung erstreckte. Wir gehörten zur 551. Volksgrenadierdivision, die den Abschnitt vom Tilsiter Schloßberg bis nach Kloken am Rußstrom besetzt hielt. Der Russe lag am anderen Ufer. Der breite Fluß stellte für Angreifer ein ernstes Hindernis dar. Darüber hinaus bot er für den Verteidiger ein ausgezeichnetes Schußfeld. Selbst später, als der Strom zuzufrieren begann, hob sich auf der verschneiten Eisfläche jede Bewegung deutlich ab, und die zirka 200 Meter breite und deckungslose Distanz war schwer zu überwinden.

Horst Krause: Die Stellung war von der OT [Organisation Todt] und HJ [Hitlerjugend] angelegt worden. Wir bezogen sie im Oktober 1944 und fanden eine entlang der Uferregion der Memel voll ausgebaute Verteidigungslinie mit Laufgräben, Kampfständen und Bunkern vor. Ich war Unteroffizier und Gruppenführer in der 1. Kompanie, I. Batl. des Grenadier-Regiments 1115. Der Kompaniegefechtsstand befand sich im Keller der Fabrikbesitzervilla im Gelände der Zellstoff-Fabrik. Die rückwärtigen Versorgungsteile – Küche, Kp.Fw.-Trupp, Verbandsplatz – lagen im Raum Weinoten, Hegehof, Bendigsfelde.

Die Gruppen- und Zugbunker waren gut ausgebaut und bestens ausgestattet. Jede Gruppe hatte Licht- und Radioanschluß, da die Stadt noch mit Strom versorgt wurde. Eine Gruppe, die direkt an der Eisenbahnbrücke lag, hatte sogar für einige Zeit eine Bierleitung im Bunker, mit der sie die Biervorräte aus der danebenliegenden Brauerei abzapfte. Die Verteidigungsstellung unseres Regiments reichte vom Schloßberg westlich Ragnit bis nach Skören-Schanzenkrug.

Welche Kampfhandlungen gab es von Oktober 1944 bis Januar 1945?

Bruno Müller: Zur Aufklärung der Absichten des Gegners wurde im November ein Stoßtruppunternehmen angesetzt, zu dem ich mich freiwillig meldete. Es sollte unbedingt ein Gefangener zum Verhör eingebracht werden. Mit 15 Mann setzten wir mit Schlauchbooten über die Memel und arbeiteten uns an die gegnerische Stellung heran. Wir wurden bemerkt, als wir nur wenige Meter vor dem vordersten Graben waren. Ein plötzlicher Feuerstoß verwundete zwei Kameraden so schwer, daß wir das Vorhaben abbrechen mußten. Nun feuerte der Russe aus allen Rohren. Nur mit viel Glück erreichten wir wieder unsere Ausgangsstellung.

Ein weiteres Ereignis gab es Heiligabend. Mitten in unserer kleinen Bunker-Weihnachtsfeier gab es gegen 21 Uhr Alarm. Alles stürzte nach draußen. Im Schein der Leuchtkugel schossen wir einen Trupp von 20 bis 30 Russen zusammen, der über das Eis der zugefrorenen Memel in unsere Stellung einbrechen wollte.

Weiter westlich, bei Preußenhof, mußten im Januar mehrfach des Nachts russische Pioniere verjagt werden, die das Übersetzen von schweren Waffen vorbereiten sollten und die Eisstärke auf der Memel ermittelten.

Ansonsten beschränkte sich der Russe auf Störfeuer seiner schweren Artillerie. Eine Granate schlug durchs Fenster im Wasserturm und tötete unsere Artilleriebeobachter. Auf den Straßen lagen viele 17,2-Zentimeter-Blindgänger herum. Das russische Feuer wurde von einem Beobachter gelenkt, den wir eines Tages in einem Holzhaus in Übermemel ausmachten. Das Haus wurde mit SMG-Feuer [SMG = Schweres Maschinengewehr] in Brand geschossen. Gegenseitige Aufklärungstätigkeit und gelegentliches Störfeuer waren kennzeichnend für die Lage bis in das neue Jahr hinein, ohne daß sich am Frontverlauf etwas änderte.

Horst Krause: Zu einem schweren Feuerüberfall kam es, als in den ersten Januartagen ein Reichsbahnzug in den großen Holzlagerhof der Zellstoff-Fabrik rollte, um Langholz abzutransportieren. Eine russische 17,2-Zentimeter-Batterie nahm das Holzlager unter Beschuß und zog auch unsere Stellung in Mitleidenschaft. Nicht nur die Eisenbahner und das OT-Ladekommando, sondern auch wir hatten Ausfälle an Verwundeten, und wir mußten das irrsinnige Unternehmen mit Androhung von Waffengewalt beenden.

Von Zeit zu Zeit gab es russisches Störfeuer. Die Erwiderung durch unsere Artillerie fiel immer sehr bescheiden aus. Auf zehn Schuß vom Russen wurde ein Schuß von uns genehmigt. Vereinzelt besuchte uns nachts auch ein russischer Doppeldecker und lud seine Schrottladung über unserer Stellung ab.

Ab wann machte sich der Beginn der russischen Offensive bemerkbar, und wie verliefen die letzten Kampfhandlungen in Tilsit?

Horst Krause: In unserem Abschnitt war von einer großangelegten Offensive zunächst nichts zu merken. Allerdings hörten wir in unserem Rücken aus südöstlicher Richtung anschwellenden Gefechtslärm und konnten daraus schließen, daß der Russe die an der Memel liegenden Verbände abschneiden und einkesseln wollte. Den Frontverlauf sah man hinter uns in der Dunkelheit durch Abschußblitze und Leuchtsignale, während sich vor uns die Gefechtstätigkeit in Grenzen hielt. Am 19. Januar um 17 Uhr bekam meine Kompanie den Befehl, sich möglichst lautlos aus der Stellung zu lösen und an der Stolbecker Straße zu sammeln. Hier bekamen wir noch einmal warme und kalte Verpflegung von der Feldküche.

Im Tilsiter Stadtgebiet war die Absetzbewegung bereits im Gange. Unsere Kompanie erhielt durch Melder den Auftrag, den Feind kämpfend so lange aufzuhalten, bis alle Divisionseinheiten aus Tilsit raus waren. Mit Blickrichtung nach Osten sichernd sollten wir dann der Division als Nachhut folgen. Die Absetzbewegung der Division verlief über den Bahnhof teils nach Heinrichswalde, teils über die Reichsstraße 138 nach Sandfelde.

Der Feind drang in den Abendstunden des 19. Januar in die Stadt aus Richtung Birjohlen mit leichten Infanteriekräften ein, mit denen wir uns als Nachhut mehrere kleine Gefechte lieferten. Mit russischen Panzern hatten wir keine Berührung, und Panzergeräusche waren auch nicht zu vernehmen.

Bruno Müller: Am Vormittag des 19. Januar wurde nach einem kurzen Feuerüberfall um 11.30 Uhr unser Abschnitt massiv angegriffen. Die Memel war zugefroren, und die Angreifer hatten große Verluste. Dennoch gelang es einigen, bis zu unserem vorderen Graben vorzudringen und sich darin festzukrallen. Verstärkung über den Fluß bekamen sie nicht, aber ein Heraus- drängen durch Aufrollen des Grabens blieb ohne Erfolg. So lagen wir uns bis zum Dunkelwerden in den Gräben gegenüber und bewarfen uns mit Handgranaten. Der zunehmende Gefechtslärm in unserem Rücken ließ böse Ahnungen aufkommen. War das nun der Beginn des Großangriffs oder nur eine gewaltsame Aufklärung, oder wollte man uns hier am Memelufer möglichst lange binden, um durch einen rückwärtigen Flankenstoß eine großräumige Umklammerung vorzunehmen? Die russische Artillerie hatte ihr Feuer vorverlegt.

Gegen 16 Uhr kam der Befehl, daß sich die Kompanie mit Einbruch der Dunkelheit absetzt. Der Zug, dem ich angehörte, sollte die Stellung noch bis Mitternacht halten. Die Lage war verworren. Offensichtlich war der Russe schon an mehreren Stellen in der Stadt. Wir standen auf verlorenem Posten. Mit noch einem Kameraden setzte ich mich zu zweit ab. Im Schutz der Dunkelheit gelang uns der Ausbruch. Nicht alle hatten das Glück. Teile unserer Division wurden in der Elchniederung bei Sköpen eingeschlossen.

Der sowjetische Panzervorstoß über Hohensalzburg nach Kreuzingen hatte Tilsit militärisch ausmanövriert und die Verteidigung entlang der Memel sinnlos gemacht.

Was geschah nach der Räumung von Tilsit?

Bruno Müller: Mit Anbruch des 20. Januar war Tilsit in russischer Hand. Hinter mir lag die Stadt im flackernden Feuerschein. Bei klirrender Kälte gelangte ich noch in derselben Nacht nach Hohenbruch an der Laukne. Auf den Rückzugswegen herrschte Chaos. Die Devise lautete “Rette sich wer kann”. Nach zehn Tagen stieß ich im Samland auf unseren Kompanietroß. Von der Kompanie hatte kaum jemand überlebt. Bei den anschließenden Abwehrkämpfen im Samland geriet ich in russische Gefangenschaft.

 

Horst Krause: Wir zogen uns aus der Stadt in Fliegermarschsicherung zurück. In den Morgenstunden des 20. Januar bekamen wir heftigen Panzerbeschuß aus südlicher Richtung. Die Kompanie erhielt den Auftrag, beiderseits der Straße Groß-Friedrichsdorf- Heinrichswalde hinhaltend zu sichern und Reste eigener Truppen durchzulassen. Hier lagen wir einen Tag und eine Nacht unter freiem Himmel, ohne Schlaf, ohne warme Verpflegung, ohne Unterkünfte. Das eiskalte Wetter führte zu hohen Ausfällen durch Erfrierungen an Händen und Füßen.

Als am 21. Januar mittags hinter uns Sturmgeschütze mit aufgesessener Infanterie anrollten, glaubten wir an Verstärkung und gingen ihnen entgegen. Der weiße Anstrich der Kettenfahrzeuge und die weiße Tarnkleidung der Schützen ließen nicht erkennen, mit wem wir es zu tun hatten. Erst als die aufgesessene Infanterie aus ihren Maschinenpistolen das Feuer eröffnete, merkten wir, daß es Russen waren. Es blieb nur die Gefangenschaft.

Saarlänner – Bericht über die End-Kämpfe um Elbing

23. Januar bis 10. Februar 1945

Die Verteidigung Elbings war voraussichtlich gedacht als eine vorgeschobene breitangelegte Sicherung der linken Flanke der Weichsellinie mit linker Anlegung an das Frische Haff, rechts angelehnt an die Verteidigungswerke von Marienburg. Die Stellung Elbings im gesamten Verteidigungssystem wurde als “Brückenkopf Elbing” bezeichnet. – Der um Elbing beabsichtigte Bogen der Verteidigungslinie war weit vorgeschoben, sollte z. B. bei Dörbeck, Rakau und die entsprechenden Entfernungen nach rechts fortgesetzt führen über Grunau-Höhe, Anschluß an den Drausensee finden und über Kerbswalde, Grunau-Niederung zum Anschluß nach Marienburg führen.

Zur Besetzung dieser Linie waren zwei Divisionen beabsichtigt, dazu die Einheiten des Volkssturmes. Die für die Luftabwehr eingebauten Flakbatterien sollten zum Erdkampf mit einbezogen werden.

Die zur Bestzung der vorgeschobenen Stellungen gedachten Volkssturmeinheiten waren genauestens eingeteilt, ihre Bewaffnung war vorhanden. Im entscheidenden Augenblick jedoch war die Bewaffnung nicht mehr greifbar, weil über sie anscheinend inzwischen anderweitig verfügt worden war. Auch ist es zu einem geregelten Einsatz des Volkssturmes überhaupt nicht gekommen. Das Moment der Überraschung hat viele der geplanten Maßnahmen nicht zur Durchführung kommen lassen. Auch die Schanzarbeiten waren nicht restlos beendet. So sollten noch am 21. Januar Schanzkommandos aus der Stadt in den Raum von Grunau-Höhe gehen, jedoch fanden sie am Orte keinerlei Arbeitsgerät und hartgefrorene Erde. Es herrscht gerade in jenen Tagen starker Frost mit erheblichen Schneefällen. Letzterer steigerte sich tragischerweise gerade ab 23. Januar, so daß auf der Elbinger Höhe große Schneehöhe lag und auch die Straßen in der Niederung stark behindert waren. Zum weitaus größten Nachteil für Elbing gereichte die alsbaldige Unterbrechung der wichtigsten Vekehrsverbindungen sowohl nach Osten wie auch nach Westen. Abgesehen von den ohnehin bedrohten Chausseen nach Preußisch Holland und Stuhm wurden auch die Königsberger Chausee Bahnverbindungen nach Königsberg und Haffküste sogleich am 23. Januar unterbrochen, die Chausee- und Bahnverbindung nach Marienburg unmittelbar darauf, spätestens am 25. Januar. Kräftemäßig fehlten selbstverständlich die für eine lückenlose Besetzung der Frontlinie nötige Truppen, wozu noch kam, daß Einheiten aus Elbing – Artl. Ers. Abt. Feldherrnhalle – noch am 23. Januar abends zu anderer Verwendung nach Danzig abgezogen wurden. Begünstigend für den Angreifer aber war vor allem das Chaos, das er mit dem Vorbrechen seiner Panzerspitzen nicht nur unter der Zivilbevölkerung, sondern auch der die Hauptverbindungsstraßen ständig belastende Strom des zurückflutenden Wehrmachtstrosses hervorrief. Anstatt den Anschluß am Feinde zu behalten, suchte alles den Anschluß an die Etappe zu gewinnen, was dazu führte, daß mangels Interesse die Nachrichtenübermittung über den Stand der Kampfhandlung nur unklar erfolgte, die tatsächliche Stellung des Gegners nicht zuverlässig gemeldet wurde und Ereignisse eintreten konnten, wie sie der überraschende Durchbruch russischer Panzer auf Elbing war. Hinsichtlich der Bevölkerung war bei den hierfür zuständigen Stellen keinerlei Verantwortungsgefühl für die Anordnung einer rechtzeitigen Räumung festzustellen. So war die Verbreitung von Räumungsbefehlen innerhalb der einzelnen Stadtteile uneinheitlich und erfolgte zum Teil überhaupt nicht.

Am 23. Januar gegen 17 Uhr stießen überraschend elf russische Panzer aus Richtung Dambitzen-Serpiener Weg auf die Stadt vor, durchfuhren unter ständigem Schießen Hindenburgstrasse, Mühlendamm, Alter Markt, Ziesestraße und richteten unter der Bevölkerung und den die Straßen füllenden Flüchtlings- und Wehrmachtsfahrzeugen größte Verwirrung und erhebliche Verluste an. 7 Panzer wurden abgeschossen, 4 konnten den Stadtausgang über Engl. Brunnen gewinnen und legten sich bei Bahnstation Groß Röbern fest. Ein am anderen Morgen einfahrender H.U.B.-Zug wurde bereits von dort beschossen und meldete die Lage. Gleichzeitig waren die russischen Kräfte von Süden nach Norden weiter durch die Elbinger Höhe vorgestoßen, hatten Truns, Rahau und Dörbeck erreicht und wahrscheinlich Anschluß an die Panzerspitze in Röbern genommen. Ebenso war die Bahn bei Güldenboden am gleichen Abend besetzt und abgeschnitten.

Am 24. Januar erfolgten Angriffe gegen die inzwischen aus den verfügbaren Kräften soweit möglich besetzten Frontabschnitte, vorerst bei Grunau-Höhe. Aus Richtung Kerbshorst stießen erste Kräfte über den zugefrorenen Elbing bei Drei Rosen über Lachenhäuser gegen das Gelände Neustädterfeld. Damit ist bereits der Frontbogen abgezeichnet, der sich um Elbing bildete. Von Röbern über Damerau, vor Seeteich, Grunau-Höhe verlief die Front zum Drausensee, Grunau-Niederung nach Marienburg. Die Linie Drausensee – Marienburg war nur dünn besetzt. An einigen Punkten – Löwenslust und Fichthorst – gelang dem Gegner ein rasches Vorstoßen zur Berliner Chausee. Am 25. Januar wurden Übersetzversuche bei Bollwerk zur Niederung gemeldet. Angriffe erfolgten insbesondere bei Freiwalde und vor Spittelhof. Die rückwärtige Verbindung über IV. Trift war noch passierbar. An diesem Abend wurde die Lichtversorgung der Stadt Elbing unterbrochen. Schäden in der Stadt waren bislang eingetreten durch Panzerschüsse und Granatwerfer- sowie Stalinorgelbeschuß. Durch benutzte Brandgranaten der letzteren wurden die ersten Großbrände hervorgerufen.

Der 26. Januar brachte Kämpfe an der Mudra-Kaserne sowie bei Kerbswalde an Drausensee. Die Quertrift glaubte man durch eine 14-cm-Batterie in Fichtenhorst, die ursprünglich vor der Sicherungslinie Drausensee/Grunau wirken sollte, ausreichend gedeckt. Jedoch ging Fichthorst überraschend schnell verloren, so auch die Batterie mit noch 600 Schuß. Durch Vorstoß entlang der Quertrift kam der Gegner am 26. Januar zur IV.Trift und konnte damit die letzte Zufuhrstrasse für Elbing abschneiden. Die Brücke in Einlage mit Seitendeckung links und rechts entlang der Nogat wurde durch ein von Elbing aus entsandtes Sicherungskommando rechtzeitig gesichert.

Der 27. Januar brachte einen Panzervorstoß Königsberger Strasse bis zur Kaserne, Pulvergrund, Äußerer Mühlendamm. Ein Shermann-Panzer wurde am Pulvergrundweg abgeschossen, der Rest zurückgedrängt. Infantriekämpfe bei Damerau-Hommelbrücke und Bieland. Abends wurde von der Paulus-Schule aus die Mudra-Kaserne zurückgewonnen. Im Ziese-Park und Engl. Brunnen blieben noch einige russische Panzer und beunruhigten die Gegend. Am gleichen Tage Kämpfe vor Dambitzen sowie an der Autobahn- und Eisenbahnbrücke. Gegenüber anfänglichem Beschuß leichter Artillerie liegen Nachrichten über Heranziehen schwerer mot. Artl. bei Streckfuß vor.

Nach dem Abschneiden der rückwärtigen Verbindung nach Einlage hielt sich die Westfront von Eisenbahnbrücke über Schillingsbrücke Grubenhagen. Über das Eis des Elbings gelang den Russen bei gleichzeitigen Angriffen an der Autobahn Neustädterfeld zunächst eine zeitweilige Inbesitznahme der Eisenbahnbrücke und Einsickern in das Gelände des Verpflegungsamtes. Dabei ging leider eine leichte Flakbatterie – 2cm – an der Autobahnbrücke veroren. Ein Gegenstoß brachte nur vorübergehend wieder den Besitz der Eisenbahnbrücke und Halten der vorgenannten Linie. Die Entnahme von Vorräten aus dem Verpflegungsamt konnte jetzt nur noch bei Dunkelheit erfolgen – teilweise bemächtigten sich bereits die Russen der Vorräte. Unter Ausnutzung des zugefrorenen Flusses setzte der Russe auch in das Fabrikgelände Schichau – Stadtwerk – über und konnte sich hier mit leichten Kräften festsetzten.

Die 7. P.D. war von außen zur Entlastung auf Elbing angesetzt und zwar aus Richtung Einlage und Jungfer. Unter Einsatz einer Anzahl gepanzerter Fahrzeuge gelang ein Durchbruch zur Stadt – am 28. Januar – hier konnte den Fahrzeugen, die unter Betriebsstoffmangel litten, aus einem angeschossenen Brennstoffzug auf dem Roßwiesenbahnhof genügend Betriebsstoff gegeben werden – unter ständiger Feindeinwirkung – wodurch sie in die Lage kamen, überhaupt noch weiter zu operieren. Sie stießen über Tannenbergallee vor und erreichten etwa die Linie Neuendorf-Höhe. Ob der Vorstoß weiter Boden gewann, ist nicht verbürgt. Tatsache ist, daß durch diesen Durchbruch auf Elbing die Tiegenhöfer Chaussee mindestens für einen Tag wieder passierbar wurde. Es wurden vor allem die Verwundeten aus den Lazaretten herausgebracht, vor allem aus der Heinrich-von-Plauen-Schule/Kriegslazarett. – Das Hauptlazarett sowie das Städt.Krankenhaus waren bereits am 23., teilweise am 24. 1. geräumt.

Die 7. P.D. konnte die Schleuse über Tiegenhöfer Chaussee nicht länger offenhalten, sondern nur noch einen Keil auf Elbing zu aus der Niederung – Zeyersvorderkampen – Nordteil Kraffohlsdorf behaupten. Zeyer hatte der Russe besetzt. Mit diesem Kampfabschnitt war die Verbindung entgültig abgerissen.

Aus dem Kampfraum Frauenburg sickerten durch die Linie des Gegners nur vereinzelne Gruppen hindurch, so z.B. A. L. A. beritten mit einem Rest von 100 Mann, die wirklich noch Kampfkraft hatten, sonst kamen von dort nur total erschöpfte, kampfunfähige und waffenlose Männer durch.

Es häuften sich die Fälle, daß der Russe unsere Gefangenen als Parlamentäre zu den einzelnen Einheiten zurücksandten mit der Aufforderung zur Übergabe, wobei auffällig war, daß der Russe über unsere Stellung und sogar die Namen der Abschnittsführer gut unterrichtet war, was den Schluß zuläßt, daß unsere Leute bei der Gefangennahme entsprechend ausgesagt haben.

Bereits vor der Einschließung Elbings hatte die Stadt unter Beschuß stark zu leiden. Die ersten Flächenbrände versuchte die Feuerwehr zu bekämpfen. Die Ungunst des starken Frostes beeinträchtigte jede Spritzenarbeit, so daß, da auch – bei der Vielzahl der Brände – nichts mehr zu retten war, und zudem das Wasser ausblieb, noch vor der Eischließung die Evakuierung der Löschzüge nach Danzig erfolgte.

Während der Gegner vorerst Panzerspitzen mit Einsatz von Granatwerfern, Pak und Stalinorgeln mit geringeren Infanterie-Verbänden angesetzt hatte, machte es sich allmählich bemerkbar, daß die Masse der russischen Truppe nachgezogen wurde. Es beherrschten fortgesetzte Infanterie-Angriffe die Front. Dazu kam laufend Artillerie zum Einsatz gegen die Stadt. Etwa ab 3. bis 4. Februar begann die Einwirkung schwerer Artillerie, die sich, als die Besatzung sich auf den Stadtkern zurückziehen mußte – 6. Februar – zu einem systematischen Zerstörungsfeuer steigerte. [Anlage I]:

Das Festsetzen der Russen in einzelnen Stadtzugängen: Grubenhagen, Schichau-Gelände, Engl. Brunnen, Pangritz-Kolonie, Siedlung Nesseln und Vogelsang sowie Tannenbergallee, Spittelhof, also das Eindringen in bebaute Stadtteile wirkte sich sogleich nachteilig aus, als es ihnen in der ihnen besondes liegenden Kampfesweise gelang, unter Ausnutzung der Nacht, über Hinterhöfe durchzusickern und unerwartet Straßenkreuzungen unter Beschuß zu nehmen. Dieses brachte stets eine gewisse Unruhe in die eigene Truppe. In den Linien, die freie Flächen hatten, Linie Thumberg – Höhen vor Dambitzen, Grunau-Abbau bis Spittelhof sowie Flugplatz, Autobahn war die Verteidigung günstiger. Auf diesen vorgenannten Linien hielt sich die Front bis etwa 1. Februar. Die Artillerie hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch genügend Geschütze und Munition, um wirkungsvoll und teilweise sogar entscheidend die Angriffe abzustoppen. Es war anfänglich auch noch möglich, auf die in Seeteich gelagerten Munitionsbestände zurückzugreifen, dann fiel auch dieses fort, zumal auch die Transportmittel wegen Ausfall der Fahrzeuge und Brennstoffmangel beschränkt waren und ein bespannter Transport unendlich mühsam war und wenig schaffte. Die anfangs unter Bedeckung bis Seeteich geleiteten Kolonnen mußten, als die Front auf die Höhen vor Dambitzen zurückgenommen wurden, eingestellt werden. Unendliche Schwierigkeiten machte der Stellungswechsel der Geschütze. Die feststationierten Flakgeschütze gingen mangels überhaupt vorgesehenen Stellungwechsels jeweils bei Verlust der Stellung verloren, so daß die Flak den wichtigen Anteil am Erdkampf, den man ihr zugedacht hatte, nicht genügend ausfüllen konnte. Anderseits wurde versucht, aus den vorgefundenen Beständen bei Schichau-Trettinkenhof und anderwärts brauchbare Geschütze und Fahrzeuge herauszusuchen. [Ende Anlage I]

Ausgehend von der Frontlinie etwa des 1. Februar soll nun die allmähliche Abbröckelung der Verteidigungsfront dargelegt werden: Zunächst hatte sich der Gegner in Grubenhagen weiter gegen die Speicherinsel vorgeschoben, unsere Stellung bei Schillingsbrücke mußte aufgegeben werden und im Raum der Eisenbahnbrücke blieb nach Eindringen des Russen in das Verpflegungsmagazin eine dauerhafte Beunruhigung. Im Raum Flugplatz – Tannenbergallee fortgesetzte Angriffe aus Grunau-Höhe, Spittelhof. Hier ging die Linie an der Autobahn verloren. Es mußten die ersten Wohnhausblocks Tannenbergallee als neue Linie bezogen werden, ebenso der Ostrand der Eisenbahnsiedlung. Für den Frontabschnitt Dambitzen war die Rücknahme der Sicherung auf den Thumberg entscheidend, beinahe gleichzeitig mußte der Abschnitt von den Höhen vor Dambitzen unter fortgesetztem Kampf über Dambitzen hinaus zurückgenommen werden, so daß allmählich auch hier die Höhe zur Eisenbahnsiedlung – Gallwitz-Kaserne – Weingarten – Gänseberg zum Kampfgebiet wurde. Dabei war der Verlust der vor Dambitzen eingebaut gewesenen Flak-Batterie, die als eine der wenigen letzten Flak-Batterien mit gutem Erfolg im Erdkampf gewirkt hatten, besondes empfindlich. Der 3. und 4. Februar brachten schwere Kämpfe im Bereich Englischer Brunnen – Schmidtsches Gelände – Leichnamstraße und Schlieffenallee – Ungerkaserne. Auch hier ging allmälich ein Straßenzug nach dem anderen verloren. Es machte sich bereits der Munitionsmangel der Artillerie sowie der Ausfall verschiedener Batterien bemerkbar, ebenso der erhöhte Feindbeschuß auf immer enger werdendem Raume. Der zweimalige Versuch von Munitionsabwurf aus Flugzeugen brachte kaum einen Erfolg, teilweise wurden die Behälter nicht gefunden oder auf die Feindseite abgetrieben, zum Teil war Munition enthalten, die wir nicht gebrauchen konnten. Die Markierung der Abwurfplätze-Gelände Sonnenstraße – Neue Gutstraße – Grünstraße, später Friedrich-Wilhelmplatz konnte wegen der umliegenden Brände kaum erfolgen.

Während am 5. Februar die Front an der Hindenburgstraße noch auf den Höhen der Friedhöfe bis Gänseberg verlief, dringt der Gegner zunächst entlang der Straße bis Weingarten vor. Entscheidend war aber ein Unternehmen der Russen gegen die Jugendherberge für diesen Abschnitt. Der Gegner konnte sich bei Dunkelheit hier überraschend festsetzen und war trotz eigenem Artilleriebeschuß und Gegenstoß nicht aus den Beton-Luftschutzbunkern zu werfen. Von dieser Höhe beherrschte er am anderen Morgen die ganze Umgegend einschl. Inf. Kaserne. Dies führte zum Verlust der Kaserne und langsamer Stellungsrücknahme entlang der Hindenburgstraße bis Hommelbrücke. Der Gegner drängte auch nach an der Bergstraße und Blumenstraße sowie zu Annenkirche, wurde aber auf der Linie Äuß. Mühlendamm aufgehalten. Fast gleichzeitig mußten wir in der Tannenbergallee bis zum Holländer-Tor weichen. Von Roßwiesen her war der Gegner auf Getreidemarkt, Bauerei Preuß, Komnickstraße vorgedrungen. An der Elbing-Front war die ganze Speicherinsel verlorengegangen, bis auf Brückenköpfe an beiden Brücken. Die Leege-Brücke war durch Artl.Beschuß vernichtet, die Höhe-Brücke wurde gesprengt. Vom Holl.Tor entlang der Hommel, Annenplatz, Friedhöfe verlief die Front vom 7. bis 8. Februar über Grünstraße – Königsberger Straße – Wunderberg. Im direkten Schuß schoß der Russe jetzt wahrscheinlich von der Höhe Gänseberg auf alle noch stehenden größeren Häuserblocks. Der Turm der Drei-Königen-Kirche wurde völlig zum Einsturz gebracht. Mit schwerer Artillerie schoß der Gegner ohne Unterbrechung in die Stadttrümmer.

Zur gleichen Zeit haben einige Schiffsgeschütze, vor der Nehrung stehend, Ziele beschossen bei Schillingsbrücken, Dambitzen und Damerau. Auch erst- und letztmalig erfolgte zu dieser Zeit ein größerer Einsatz deutscher Stukas. Der Kampf hatte seinen tragischen Höhepunkt erreicht. Mit der Rücknahme der Frontabschnitte waren auch die eigenen schweren Waffen bis auf einzelne verloren gegangen und diese ohne Munitionsversorgung und Personalergänzung. Fahrzeuge und Gespanne für Stellungswechsel und Munitionstransport waren zerschossen oder verbrannt, die Straßen teilweise nicht mehr zu befahren. Aber es war dieses auch der Zeitpunkt, in dem man an die Besetzung neuer Stellungen nicht mehr denken konnte; denn es ging nunmehr um den Stadtkern, und um die Frage, wie lange es bis zum völligen Ende noch dauern würde. Ein Einsatz war nicht mehr zu erwarten. Die 7. P.D. war nochmals bis zum Barackenlager Schichau in Kraffohlsdorf vorgestoßen, hatte sich aber wieder zurückziehen müssen. Man hatte auch nicht den Eindruck, daß ein Ausbruch geplant und überhaupt noch möglich war. In der Nacht zum 9. Februar war der schwere Beschuß am stärksten. Straßen, die am Vortage noch annährend erhalten waren, waren morgens nicht wiederzuerkennen. Im Laufe des 9. Februar wurde die Lage an den einzelnen Straßenabriegelungen unhaltbar. Die eigenen Verluste und Munitionsmangel waren nicht mehr aufzuholen. Einige schwere wirkten nur noch vereinzelt. Der Truppe waren bis auf wenige Maschinenwaffen nur noch die Handfeuerwaffen und Panzerfäuste verblieben. Am Abend des 9. Februar hatte der Gegner unter Ausnutzung der Dunkelheit überall weiter Raum gewonnen. Am Arbeitsamt und Königsbergstraße oberhalb des Gymnasiums konnte ein Eindringen in das Stadtinnere noch verhindert werden. Aus Richtung Getreidemarkt, Holländisches Tor und Mühlendamm wurden die Verteidiger weiter zurückgedrängt. Der Kommandant, der zuletzt im Polizeipräsidium war, in das Gymnasium, doch auch hier drangen die Russen von den Hinterhöfen, Grünstraße / Sonnenstraße, vor.

Da kam der Befehl zur Zusammenziehung der restlichen Kräfte im Raum Löser & Wolf – Löserstraße. – Von hier aus sollte ein Ausbruch versucht werden. Der Gegner hatte diese Absicht nicht erkannt und auch nicht die in der Löserstraße vonstatten gehende Ansammlung der restlichen Besatzung beobachtet. Es erfolgte jedenfalls hier kein nennenswerter Beschuß.

Der Gefechtslärm in der Stadt ließ allmählich mit zunehmenden Sammeln der eigenen Truppe zum Aufbruch nach. Ecke Löserstraße/Leichnamstraße standen zur Verfügung ein erbeuteter T34 sowie ein deutscher Panzer und einige gepanzerte Transportwagen. Der Gegner hatte in der Leichnamkirche – Schichau-Schule – eine Stellung mit Pak und MG ausgebaut und sperrte das Stadtinnere ab. Unter Feuerunterstützung der vorfahrenden Panzer, dessen Wert mehr moralischer als taktischer Art war, wurde von der Besatzung nun der Durchbruch durch die russische Linie erzwungen in Richtung Ziesestraße. In der III. Niederstraße wurde in dem Raum um Wittkowski erneut gesammelt und eine Abriegelung gebildet, um das Übersetzen über den Elbingfluß zu sichern. Jetzt war der Fluß aufgetaut, während er z. Z. der Angriffe des Gegners noch zugefroren war. Bereits in der Nacht wurden zunächst die Verwundeten übergesetzt, die, sowit sie gehend oder mit Unterstützung sich bewegen konnten, mitgeführt wurden. Die Belegung der Heinrich-von-Plauen-Schule war bereits den Gegnern in die Hände gefallen. Pioniergerät zum Uebersetzten war nicht verfügbar. Es wurde ein Prahm mit Seilzug verwendet, der etwa 100 Mann faßte. In den Morgenstunden des 10. Februar, als die Nebel sich verzogen, wurde das Übersetzten schwieriger, da nun der laufende Beschuß wieder begann, nachdem der Gegner das Unternehmen bemerkt hatte. Auf der anderen Seite des Flusses hatte der Gegner am Kraffohlsdorferweg die einzelnen Gehöfte besetzt, bildete somit hier eine neue Abriegelung. Diese mußte erneut durchstoßen werden. Das geschah an der Abzweigung der V. Trift, durch das Barackenlager Schichau hindurch. Der Gegner beschoß schwerstens sowohl von der Höhe der Mudra-Kaserne, als auch vom Silo und Ostpreußenwerk das flache Wiesengelände von Kraffohlsdorf. Leuchtsignale gaben unserer Truppe Kenntnis von der Spitze des deutschen Keiles in der Niederung. Im nördlichen Teil von Kraffohlsdorf – etwa beim Gehöft des Obsthändlers Löpp – trafen wir auf die deutsche Truppe.Damit war der Anschluß an die deutsche Front gewonnen, die Kämpfe in Elbing abgeschlossen, gleichzeitig aber auch die alte Heimatstadt aufgegeben, wobei in ihren Trümmern tausende von Einwohnern ihrem bitteren Schicksal entgegensahen.

Gegen 1 500 Mann der Elbinger Kampfgruppe erreichten auf diese Weise den Anschluß zur Danziger Truppe über Zeyerniederkampen, Jungfer und Tiegenhof. Am nächsten Tage soll noch ein kleiner Rest aus Elbing herausgekommen sein, ob dieses zutrifft und wo sie durchbrachen ist nicht zuverlässig bekannt.

Dieser Bericht war früher unter der Adresse leo.wlp.de/misc/elbing.html zu lesen, ist aber zumindest zur Zeit nicht mehr erreichbar.

Alfred Neubert, Hannoversch Münden, Burgstraße 15/16, den 18. August 1946

The Real Blaze – Kampfgruppe Marienburg

Wie deutsche Soldaten 1945 die Ordensburg verdeitigten und so den Sowjets den Weg nach Danzig versperrten

Primärquelle: National-Zeitung

Sowjetpanzer vor der Marienburg: Am 26. Januar 1945 drangen sechs von den USA gelieferte Sherman-Panze’r der Roten Armee in die Stadt Marienburg vor, um die Brücken über die Nogat einzuneh­men. Der erste Stahlkoloss wurde von einer außerhalb des Schloss­grabens in Stellung gegangenen deutschen 8,8-cm-Flak vernichtet, während die nachfolgenden fünf Panzer von der Wehrmauer aus mit Panzerfäusten abgeschossen wurden. Weitere Panzerangriffe folgten.

Marienburg, Februar 1945: In den Gewölben der Burg wird dem vormaligen Festungskommandanten Oberst Karl Brassert (links) das Ritterkreuz verliehen. Rechts neben ihm Deichhauptmann Gustav Fieguth senior. In der„Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa”, f 954 vom Bundesministerium für Vertriebene herausgegeben, schildert Fieguth: „In den ersten Tagen des Februar erfuhr ich, dass mein letzter Sohn auch in der Marienburg steckte. Ich habe ihn dort so manche Nacht aufgesucht… Der Russe hatte die Stadt einschließlich der Trümmer der Niederen Lauben bis zur Burg besetzt. Unsere Infanterie hielt die zerschossene Burg und die Trüm­mer der Hohen Lauben.”

Seit 22. April untersuchen Be­auftragte der polnischen Staatsanwaltschaft die Gebei­ne aus dem Massengrab im west­preußischen Marienburg: mehr als 2 500 bei Kriegsende getötete deut­sche Zivilisten – Männer, Frauen und auffallend viele Kinder. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein. Nicht vergessen werden sollte, dass Abertausende west- und ostpreußische Flüchtlinge den nach­drängenden Sowjets und der polni­schen Besatzung entkommen konn­ten, weil Teile der Stadt Marienburg, die Ordensburg und die Brücken über den Npgatfluss vom 25. Januar 1945 bis zum 10. März 1945 von deutschen Soldaten gegen die Rote Armee verteidigt wurden.Durch das Halten der Burg und der Brü­cken wurde es möglich, hinter der Nogat Kräfte heranzu­führen.

So konnte Danzig bis zum 30. März 1945 gehalten werden und bestand bis zum 9. Mai 1945 ein Brücken­kopf, von dem aus un­gezählte Menschen bis Kriegsende über See den Westen erreichten. Schon im Juni 1944 war Marienburg zur „Festung” erklärt wor­den. Am 16. Oktober 1944 hatte die Rote Ar­mee erstmals die deut­sche Reichsgrenze über­schritten. Das Massaker im ostpreußischen Nemmersdorf wurde zum Synonym für die Gräuel, die die sowjetische Be­setzung bedeutete.

Friedrich-Georg von Rappard: Der Kommandeur der 7. Infanteriedi­vision spricht anlässlich der Ritterkreuzverleihung an Oberst Brassert in der Marienburg. Rappards persönlicher Mut ist vielfach bezeugt. Als ein sowjetischer Stoßtrupp vom Burggraben aus die Burg angreift, so berichtet Zeitzeuge Richard Weiser,„übernimmt Generalleutnant von Rappard persönlich ein MG und bekämpft mit uns gemeinsam den eindringenden Feind”. Am 29. Januar 1946 wurde von Rappard auf dem Leninplatz in Welikije Luki gehängt. In einem Schauprozess hatte man ihn für eine Partisanenerschießung verantwortlich ge­macht.

Zwölf Tage nach dem Beginn der sowjetischen Großoffensive erschien am 24. Januar 1945 die Rote Armee vor Marienburg. Einen Tag später ver­ließ der letzte mit Flüchtlingen beladene Güterzug Marienburg Rich­tung Westen. Kurz darauf formierte sich die Verteidigung von Stadt und Burg zur „Kampfgruppe Marien­burg”. Sie bestand aus zusammen­gewürfelten Einheiten von Heer, Luftwaffe, Marine und Volkssturm. Ihre Stellungen bezog sie auf den Wehrgängen der Burg und in den Lauben, den Bogengängen der Pa­trizierhäuser am Markt. Sechs Wo­chen hielt die Kampfgruppe – unter hohen Verlusten – dem Ansturm der Roten Armee stand.

Verteidiger in einem Mietshaus in der Altstadt: Die Soldaten der Kampfgruppe Marienburg erkannten, so berichtete später einer von ihnen, Gustav Fieguth junior, den Sinn ihres Aushaltens darin, Zehn­tausende ost- und westpreußische Flüchtlinge nicht den Sowjets in die Hand fallen zu lassen.

Am 4. Februar 1945, als im auf der Krim gelegenen Badeort Jalta die Konferenz der alliierten Staats­chefs Roosevelt, Churchill und Sta­lin über die Aufteilung Deutsch­lands und Europas begann, meldete der Wehrmachtbericht: „Die Vertei­diger der Marienburg und der Stadt Elbing wehrten zahlreiche sowjeti­sche Angriffe ab.” Die feindliche Aufforderung vom 10. Februar 1945, bis zum 12.Februar die Burg auf­zugeben, bleibt ohne Ergebnis. Erst in der Nacht vom 9. auf den 10. März 1945 muss die Kampfgruppe Marienburg die noch in deutscher Hand befindlichen Hohen Lauben und die Burg räumen. Danach wer­den die Brücken über die Nogat ge­sprengt.

Die Marienburg-Kämpfer setzen den Kampf im Kessel um Danzig und Gotenhafen fort, in dem sich au­ßer Wehrmachtverbänden und wohl über 100.000 Verwundeten noch rund eineinhalb Millionen Be­wohner sowie ost- und westpreu­ßische Flüchtlinge befinden, die es mit Hilfe der Kriegsmarine vor dem sowjetischen Zugriff zu retten gut.

Noch stets hat der Kampf weniger gegen viele die Gemüter bewegt. Ob es sich um den Alcazar von To­ledo des Jahres 1936 handelt, um die jüdische Felsenfestung Masada im Jahr 70 oder die Schlacht bei den Thermopylen des Jahres 480 vor Christus, in der sich Leonidas, Kö­nig von Sparta, mit dreihundert Mann den Persern entgegenstellte. Vermutlich nicht vergeblich hat also ein Marienburger und Mari­enburg-Kämpfer, der einstige Ober­leutnant Gustav Fieguth, in seinem 1985 erschienenen Buch „Marien­burg 1945″ versucht, „Lesern einer späteren Generation Kunde zu ge­ben, wie damals ein Häuflein Sol­daten aus allen Teilen des Deut­schen Reiches in einem kleinen Brückenkopf auf verlorenem Pos­ten einen letzten Versuch machte, sich dem nahenden Untergang ent­gegenzustellen” .

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