Zeyer- das Ende

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Erinnerungen eines Amtsvorstehers des Amtsbezirkes Zeyer.
Johannes Jahn, Landwirt und Hofbesitzer in Zeyersvorderkampen.

Der Amtsbezirk Zeyer lag in der nordöstlichsten Ecke des Freistaates Danzig, im Kreis Großes Werder und umfasste die Ortschaften Zeyer, Stuba und Schlangenhaken. Er zog sich entlang der Nogat, beginnend bei der Ortschaft Einlage bis zur Mündung der Nogat in das Frische Haff. Das Gesamtareal betrug etwa 2510 Hektar Davon fielen auf Zeyer 480 Hektar, Stuba mit der Ortschaft Neudorf circa 610 Hektar,Zeyersvorderkampen circa 1020 Hektar und Schlangenhaken 400 Hektar Die Gesamteinwohnerzahl betrug etwa 1735 Einwohnen deutscher Abstammung und Herkunft. Die Bevölkerung gehörte ausschließlich der Landwirtschaft und der damit verbundenen Berufe.

Die Höfe befanden sich bis 1945 in gutem Zustand. Die Größe der landwirtschaftlichen Grundstücke lag durchweg im Mittel —und Kleingrundbesitz.

Besonders günstig lagen die Verhältnisse in Zeyersvorderkampen, wo die größeren Betriebe dem Herdbuch angehörten und seit längerer Zeit Raps- /Weizen und Zuckerrübenanbau betreibe.

Während Zeyer und Stube geschloßene Ortschaften bildeten, waren Zeyersvorderkampen und Schlangenhaken sogenannte Streusiedlungen. Zeyer ist im Amtsbezirk als die älteste Siedlung anzusehen.
Nach einer Schulchronik die Besiedlung bereits im Jahr 1200. Danach folgt die Ortschaft Stuba. Zeyersvorderkampen, das aus mehreren Inseln des Nogatdeltas bestand, ist erst wesentlich später,um 1730 besiedelt worden.

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Völliges Neuland war die Ortschaft Schlangenhaken, die erst um 1929 aus Strauchkampen an der Nogatmündung durch die Initiative des Danziger Senats entstand und besiedelt wurde.

Von ausschlaggebender Bedeutung für die landwirtschaftlichen Betriebe im Amtsbezirk war die Milcherzeugung.

Eine noch während des Krieges auf das modernste ausgebaute Molkerei im Privatbesitz, befand sich in Zeyer, während eine zweite sich als Genossenschaftsmolkerei sich in Zeyersvorderkampen befand. Eine dritte Molkerei war in Stube, die während des Krieges stillgelegt wurde und die Lieferanten Zeyer zugewiesen.

Auf kaufmännischem Sektor gab es in der Ortschaft Zeyer vier Geschäfte mit Kolonialwaren—und Materialwaren. Davon eine mit Mühle(Wind) und Landwirtschaft, eine mit Gasthausbetrieb-Bäckerei und Landwirtschaft, eine mit Textil—Schuhwaren und- Kurzwaren, eine Bäckerei und Landwirtschaft und ein weiteres mit Gasthaus und Landwirtschaft.

An gewerblichen Betrieben waren in Zeyer eine Molkerei, eine Fleischerei; eine Stellmacherei, eine Schmiede und zwei Korbflechtereien vorhanden. An öffentlichen bezw. staatlichen Gebäuden gab es in Zeyer zwei Schulen
zwei Zollbeamtenhäuser, ein Postamt ein Pfarrhaus sowie drei Gemeindehäuser und ein Spritzenhaus.

Die zu Zeyer gehörende Kirche lag auf der anderen Seite der Nogat im Kreis Elbing. Sie wurde im Verlauf der Kampfhandlungen am 3.2.1945 in Brand geschossen, Zeyersvorderkampen hatte eine Molkerei,drei Gastwirtschaften davon zwei mit Kolonial-und Materialwaren und Landwirtschaft und eine mit Schmiede. Öffentliche Gebäude:Eine Schule, fünf Gemeidehäuser und eine Spritzenhaus.

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Am 21.1.1945 erreichten die ersten russischen Panzer überraschend das 8 Km entfernte Elbing und die Bevölkerung des Amtsbezirks Zeyer erhielt nachts vom Landratsamt Tiegenhof die Aufforderung zur sofortigen Räumung. Obwohl die Räumung theoretisch vorbereitet war, kam es nicht zu dem angeordneten Treck über die Weichsel, da am frühen Morgen sämtliche Chausseen von der flüchtenden Bevölkerung überlaufen und verstopft waren. Zum anderen konnte sich die Landbevölkerung nur sehr schwer zum Verlassen ihrer Höfe entschließen. Außerdem bildete die deutsche Wehrmacht entlang des Elbingflusses sofort eine Front, hinter der sich die Bevölkerung einstweilig sicher fühlte. Lediglich die Bevölkerung von Zeyer und Stuba setzte sich nach Zeyersvorderkampern und Schlangenhaken ab.

Inzwischen wurde der gesamte Viehbestand durch Räumkommandos abgetrieben und auch die Getreidevorräte abgeholt.Es blieb nur dort was zur Ernährung der Bevölkerung für kurze Zeit notwendig war.

Die Pferdebestände übernahm die Wehrmacht. Bei den einsetzenden Stellungskämpfen hielt sich die Zerstörung der Gebäude in Zeyer in Grenzen. Es brannten lediglich 3 Grundstücke nieder. Allerdings erlitten sehr viele Gebäude erhebliche Schäden durch Artillerie-und Bordwaffenbeschuss. Die größten Schäden sind erst nach der Besetzung durch Russen und Polen entstanden.

Inzwischen war für die Zurückgebliebenen an ein Wegkommen nicht mehr zu denken,da der Russe bereits durch Pommer zur Ostsee durchgestoßen war.

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Am 8.3.45 war die deutsche Wehrmacht gezwungen die Stellungen an der Nogat aufzugeben, wodurch die zurückgeblieben Bevölkerung gezwungen wurde sich bis auf die Frische Nehrung zurückzuziehen, wo sie mit Schiffen, zumeist nach Dänemark gebracht wurde Ein kleiner teil in Zeyer konnte sich nicht entschließen die Heimat zu verlassen und erwarteten den Einmarsch der Russen.

Es waren zumeist Arbeiterfamilien und alte Leute.Aber auch einige Bauernfamilien.

Auf die Aussagen einer Reihe von diesen die nun die folgende Zeit überlebten und später von den Polen ausgewiesen wurden stützen sich folgende Angaben. Nach dem Einrücken der Russen in Zeyer am 9. 3. 45 wurde die gesamte dagebliebene Bevölkerung zusammen getrieben.

Alle Männer zwischen 16 und 60 Jahren wurden in Richtung Osten abtransportiert.

Durch brutalste Behandlung sind durch Vernehmungen eine Reihe zu Tode gequält worden. Schon bald nach dem Einrücken der Russen ereigneten sich in Zeyersvorderkampen die ersten Morde. Ohne ersichtlichen·Grund wurden die Landwirte Franz Thießen(7O Jahre) und Adolf Block erschossen. Später fand man die Leichen von Hulda Janzen und deren Tochter Klara Eichhorn mit ihrem 1 Jahr alten Söhnchen, sowie die Leichen des Ehepaare A. Mierau. Weiter fielen den Russen zum Opfer, die 18 Jahre alte Christel Wichert, sowie Anna Braun Zeyersvorderkampen und die vierköpfige Familie des Bauern Fritz Dudenhöft.

Sämtlich dagebliebenen Frauen wurden ein Opfer der russischen Willkür und mussten es bleiben bis zum Abzug der russischen Truppen.

Die übrige Bevölkerung wurde nach Elbing verjagt und versuchte sich dort irgendwie zu ernähren. Spurlos verschwunden ist das Ehepaar Rathke Zvk.

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Die russischen Truppen zogen ab und die ersten Polen zumeist abenteuerliches Gesindel zogen ein. Sie plünderten restlos die Häuser von dem aus was die Russen noch da gelassen hatten. Die Russen hatten alles noch lebende Vieh und die besten Möbel mitgenommen. Ackergeräte und Maschinen wurde von den Polen zusammen getragen, verschachert und verschleppt. Weichsel und Nogatdeiche waren gesprengt und dadurch das ganze Land unter Wasser gesetzt. Die Russen hatten nach Bedarf Brücken und Laufstege gebaut und hierzu das Material aus den beschädigten Gebäuden und Ställen geholt. Unter den Polen ging die Verwüstung der Gebäude weiter. Da kein Heizmaterial vorhanden war haben sie leer stehende Gebäude abgebrochen.

Nach Berichten standen viele Häuser ohne Fenster und Türen da. Auch weitere Menschenverluste durch Selbstmorde waren zu beklagen. Die Deutsche Bevölkerung lebte in Polen unter denkbar schlechten Verhältnissen,bei völlig unzureichender Ernährung musste sie täglich Schwerstarbeit verrichten und waren schweren Misshandlungen ausgesetzt.

Die Deutschen waren vogelfrei. Man konnte mit ihnen machen was man wollte. Ebenso brutal wurde 1947 die Ausreise eingeleitet.

Alte, hinfällige Leute, Frauen mit kleinen Kindern, mussten 15 Km nach Tiegenhof gehen,wo sie bei strengem Frost in offenen Bahnloren verladen und nach Marienburg gebracht wurden von hier aus ging die Fahrt in die Ostzone wo die Ausgewiesenen zumeist in der Nähe von Halle untergebracht wurden. Alles Gepäck das über 30 Pfund wog wurde ihnen in Tiegenhof abgenommen. Eine Reihe der Ausgewiesenen hat die Strapazen nicht überstanden und ist gestorben.

In den Ortschaften wurden Kolchosen gegründet weil die Polen nicht in der Lage waren die Ländereien zu bestellen.
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