Richard Senger -90th Birthday

Richard Senger,

einst Bauer in Westpreußen, feierte 90. Geburtstag

Richard Senger 90 Geburtstag, 1969

Richard Senger 90 Geburtstag, 1969

Schwifting(m).
Schnittblumen, Blumen­schalen, köstliche Getränke und weitere Prä­sente schmücken das Wohnzimmer im Hause ‘der Familie Senger in der Schwiftinger Sied­lung. Vor wenigen Tagen feierte der „Se­nior” des Hauses, Opa Richard Senger, sei­nen 90. Geburtstag. Anlaß genug für dieMitbürgerschaft, um Schwiftings derzeit altesten Mitbürger zu ehren und zu erfreuen, ihm ‘ die herzlichsten Glückwünsche für den weiteren Lebensabend mitzugeben.

Richard Senger stammt aus Westpreußen. In seinen Adern fließt urwüchsiges bäuerli­ches Blut. Am 2. Februar 1879 wurde er in Zeyersvorderkampe bei Danzig geboren. Wie seine Eltern Bauern waren, so wurde auch Richard Senger Bauer, um einmal das Erbe seines Vaters, einen Stättlichen Hof, zu über­nehmen. Mit mehreren Geschwistern wuchs der Jubilar in seinem Heimatort, der über 40 ansehnliche Bauernhöfe zahlte, auf. Im Jahre seiner Eheschliesung, 1920, übernahm er von seinen Eltern den Hof, um ihn mustergültig, in zäher, unermüdlicher Arbeit und in Verbundenheit zur heimatlichen Scholle weiterzuführen und bewirtschaften. Seine Gattin Frieda schenkte ihm 2 Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Ueberstand Richard Senger den ersten Weltkrieg als aktiver Teilnehmer heu und gesund, so karnen mit dem zweiten Weltkrieg und den Nachkriegs­jahren schwere Zeiten auf ihn zu. Im Herbst 1944 besetzten die vorrückenden Russen Ost- und Westpreußen, auch der Hof von Richard Senger wurde von den sowjetischen Truppen beschlagnahmt. Senger selbst muß­te als Knecht auf seinem eigenen Anwesen arbeiten. Seine Gattin wurde von den Sowjetzt in ein Arbeitslager hinterm Ural ge-steckt, von wo sie erst 1947 in die; Heimat zurückkehren durfte. Ohne von den Schick­sal seiner Familie etwas zu wissen, machte sich Richard Senger eines Tages auf, von seinem Hof zu fliehen und die deutsche Grenze zu erreichen. Er konnte es nicht mehr ertragen, als einstiger Hofbesitzer von den Russen als gedemütigter Knecht auf eigenem Besitz behandelt zu werden. Im Alter von 68 Jahren begab sich Senger, stets rüstig auf seinen Füßen, auf den Marsch, der ihn über Polen und Schwerin nach Westdeutschland und dort nach Murnau am Staffelsee führte. In Polen sind ihm dabei sämtliche Ausweis-und Wertpapiere, darunter auch die Spar­kassenbücher, abgenommen worden. Richard Senger war aber unverzagt und fand dann im Oberbayerischen wieder eine feste Wohn­stätte. Die Tochter, die heute in den USA verheiratet ist, bemühte sich damals erfolg­reich um die Wieder-Zusammenführung der Eltern. Im Jahre 1963 siedelten Richard und Frieda Senger von Murnau nach Schwifting über, wo die Familie des Sohnes, der auf dem Tower des Flugplatzes Penzing tätig ist, ein Eigenheim erbaut hat. Unter der Obhut von Sohn und Schwiegertochter verbringt der Jubilar mit seiner Gattin nun einen ge­ruhsamen ebensabend.

Zum 90. Geburtsfest stellten sich auch Bür­germeister Kaindl, zweiter Bürgermeister Nuscheier und der evangelische Pfarrer Uhl mit Gattin als Gratulanten ein, um die of­fiziellen Glückwünsche zu überbringen. Das „Landsberger Tagblatt” schließt sich die­sen Gratulanten herzlichst an.

Februar 1969. „Landsberger Tagblatt”